In der Situation hält Deutschlands Torwart Philipp Grubauer. © Buholzer/dpa
Zürich – Harmlos im Powerplay, anfällig in Unterzahl: Die Gründe für die Auftaktpleite waren schnell ausgemacht. „Da sieht man den Unterschied“, sagte NHL-Star Moritz Seider nach dem 1:3 (0:1, 0:0, 1:2) der ersatzgeschwächten deutschen Eishockey-Nationalmannschaft zum Auftakt der Weltmeisterschaft in der Schweiz gegen den Olympia-Dritten Finnland.
Ohne weitere NHL-Verstärkung fehlte der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) in der Offensive die Durchschlagskraft – auch mit einem Mann mehr auf dem Eis. „Die Special Teams haben den Unterschied gemacht“, erkannte Philipp Grubauer. Seider merkte aber auch „viel Positives“ im deutschen Spiel an.
Nach dem Vorrunden-Aus vor einem Jahr und der Olympia-Enttäuschung von Mailand steht Bundestrainer Harold Kreis enorm unter Druck. Schon am Sonntag (20.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport) im zweiten Gruppenspiel gegen Lettland könnte sich zeigen, ob das ausgegebene Ziel Viertelfinale erreichbar ist.
Vor 9516 Zuschauern in der Swiss Life Arena in Zürich besiegelten NHL-Star Anton Lundell (9.) und Jesse Puljujärvi (44.) jeweils im Powerplay sowie Aatu Räty (56.) die Auftaktpleite für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Seider verhinderte mit einer spektakulären Rettungsaktion auf der Linie ein weiteres Gegentor (21.). Der Straubinger Stefan Loibl (49.) sorgte für den zwischenzeitlichen Anschluss.
Kreis musste nach vielen prominenten Absagen improvisieren. Vor dem ersten Bully hatte der 67-Jährige erfahren, dass auch Sturm nach dem Playoff-Aus mit Minnesota Wild nicht zur Verfügung stehen wird, der DEB nominierte alle 25 WM-Spieler bereits für die Auftaktpartie. Auch Lukas Reichel, der am Donnerstag nachgereist und erstmals mit der Mannschaft trainiert hatte, stand noch nicht auf dem Eis. Der 23-Jährige hatte kurzfristig seinen Vertrag bei den Boston Bruins um ein Jahr verlängert, er soll gegen Lettland seinen Einstand geben. „Er soll erstmal schlafen“, hatte Kreis gesagt.
Somit standen nur elf Olympiateilnehmer von Mailand auf dem Eis – und lediglich drei NHL-Profis. Die Finnen boten gleich zwölf auf, darunter ihren Starstürmer Aleksander Barkov, der allerdings die komplette Saison wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte.
Die Vorgabe, wieder mehr auf kompakte Defensivarbeit und einfaches Eishockey zu setzen, war in der Anfangsphase deutlich zu erkennen. Es dauerte bis zur achten Minute, ehe die Finnen durch Janne Kuokkanen die erste Chance des Spiels hatten. Wenig später war NHL-Torhüter Philipp Grubauer aber schon zum ersten Mal geschlagen: Als Maximilian Kastner auf der Strafbank saß, traf Lundell in den Winkel.
Das Powerplay müsse die deutsche Auswahl „auf jeden Fall verbessern“, forderte Kahun in der zweiten Drittelpause, nachdem insgesamt zehn Minuten ohne Treffer verstrichen waren. Die Special Teams blieben aber das Problem. Als Andreas Eder die zweite Strafzeit für Deutschland absaß, baute Schweiz-Legionär Puljujärvi die finnische Führung aus. Loibl schlug nach einem sehenswerten Spielzug zurück, zu mehr reichte es aber nicht mehr.SID