„Wir melden uns vom Abgrund.“ Ja, wir haben unseren Günther Koch im Ohr – im Wechselwehklagen, -bangen und -eskalieren mit Manni Breuckmann und Dirk Schmidt, vor 27 Jahren war das in der Radiokonferenz. Nun gehört der letzte Bundesliga-Samstag mal wieder dem Abstiegskampf. Mehr Dramatik hat die Ausgangslage noch nie versprochen. Zwei von drei wird es sicher erwischen. Und es ist diesmal gar nicht so leicht zu entscheiden, zu wem man halten soll. Oder gegen wen man in jedem Fall ist.
Wahrscheinlich werden die meisten sagen: Weg mit Wolfsburg, möge die Bundesliga fortan bitte verschont bleiben von den (angeblich wegen Schichtwechsel nebenan im Werk) immer halb leeren Tribünen. Doch der VfL Wolfsburg ist ein Kind von VW – und müsste man dem Autobauer schon aus wirtschaftlicher Räson nicht alles Gute wünschen? Volkswagen tut sich schwer gegen die chinesischen E-Flitzer, das Amerika-Geschäft wird von Trumps Zollwut bedroht – da sollte wenigstens der Fußball „Made in Wolfsburg“ in der ersten Liga bleiben. Für die deutsche Wirtschaft ist es wahrlich schwer genug, dass die FDP schon abgestiegen ist.
Dem FC St. Pauli wird wahrscheinlich am wenigsten der Niedergang gewünscht. Weil: Kiez-Club, Kult-Club, und die Bundesliga braucht einen, über den man sagen kann, er sei „der etwas andere Club“. Keiner jedenfalls ist bunter, vielfältiger und hat einen Präsidenten mit schönerem Namen als Oke Göttlich, der sich zudem von oben, vom DFB, nicht maßregeln lässt. Die Demokratie muss gerettet werden und Pauli darum im Rampenlicht der höchsten Spielklasse stehen. Andererseits würde kein Verein auch in der 2. Liga so problemlos überleben, da er längst zur Lifestyle-Marke geworden ist – so chic wie der ehemalige Hochbunker gegenüber dem Millerntor-Stadion. Und wenn doch was schiefläuft, kommt Edelfan Uli Hoeneß und rettet den FC St. Pauli.
Schließlich der 1. FC Heidenheim. Taucht nie in den Umfragen auf, wie die Traum-Bundesliga der Fans aussähe (mit Dynamo Dresden, 1860 München, Kaiserslautern, Nürnberg) – doch haben wir ihn in den vergangenen Wochen nicht lieb gewinnen müssen? Wie er jeden unglücklichen Spielverlauf klaglos ertrug, wie Trainer Frank Schmidt kein bisschen ins Wackeln geriet und noch unumstrittener ist als Kollege Kompany bei den Bayern? Heidenheim steht für das Gute im Fußball.
Dem Abgrund ist das nur alles leidlich egal. Er wird zwei Clubs verschlingen. Und wenn ihm in der Relegation danach ist, in ein paar Tagen noch den dritten.