Münchner Lebensversicherung: Andi Obst (links) steuerte 24 Punkte zum lange zähen Viertelfinal-Auftakt bei. Damit war er der treffsicherste Akteur des Nachmittags. © Steffie Wunderl/Imago
München – Nach der Pausensirene hatte es Svetislav Pesic eilig. Und die Art, wie der Trainer da in die Katakomben stürmte, ließ für seine Basketballer des FC Bayern nichts Gutes ahnen. Was auch immer der 76-Jährige seinen Profis da mitteilte – es verfehlte die Wirkung nicht. Die Münchner brachten dieses erste Viertelfinale gegen die Gladiators Trier auf die Habenseite. Ein 101:80 (48:44) stand am Ende auf der Anzeigetafel. 1:0 also in der Serie nach dem Modus Best of Five – schon beim Wiedersehen am Dienstag (20.30 Uhr) an gleicher Stelle können sich die Bayern zwei Matchbälle erspielen. Den Spott der mitgereisten Trier-Fans („Euroleague-Versager FCB“) konnte man so verschmerzen.
Dabei waren sich die Bayern im Vorfeld in dieser Hinsicht so sicher gewesen. Überrumpeln, den über die Play-Ins ins Viertelfinale gerutschten Aufstieger vielleicht sogar unterschätzen – nicht mit uns, so hatten noch am Freitag Isiaha Mike und Weltmeister Nils Giffey betont. Doch: Trier war als Hochgeschwindigkeits-Team angekündigt – und Trier gab das Hochgeschwindigkeits-Team. Noch ehe sich der Titelverteidiger sortiert hatte, hatte das Team mit dem martialischen Beinamen „Gladiators“ schon satte zehn Punkte zwischen sich und die Bayern gelegt.
Der komplett weiß gewandete Publikum im SAP Garden – für jeden Zuschauer lag ein T-Shirt mit dem Playoff-Slogan „Munich All In“ bereit – nahm es mit merklicher Irritation zur Kenntnis. Mitten drin in den 11.500 übrigens auch so manch bekanntes Gesicht. Rekord-Kicker Lothar Matthäus klatschpappte in Reihe eins. Vom EHC Red Bull München ließ sich Brady Ferguson mit Familie in den Garden locken.
Und sie alle sahen einen Svetislav Pesic, der auf Teil eins seiner Playoff-Abschiedstour früh eingreifen musste. Der 76-Jährige nahm eine Auszeit, wechselte das noch schläfrige Ensemble durch. Wobei erst einmal nur das Argument blieb, das die Münchner schon durch weite Teile der Hauptrunde getragen hatte. Andi Obst natürlich. Irgendwie spielten die bayerischen Kreativspieler um Neno Dimitrijevic den Ausnahmeschützen immer wieder frei. 17 Punkte hatte er schon zur Pause zu Buche stehen, am Ende war er mit 24 natürlich Topscorer. Das war schon einer der Hauptgründe dafür, dass die Bayern sich häppchenweise in das Geschehen reinspielten.
Doch auch Triers junger Coach Jacques Schneider lag nicht ganz falsch, als er seinen Profis in einer Auszeit einhämmerte: „Sie glauben, sie haben das Spiel im Griff. Sie werden jetzt chillen.“
Erst nach dem Wechsel entwickelte sich zumindest halbwegs das Bild, das man eigentlich schon von Beginn an erwartet hatte. Die Bayern traten vor allem in der Defensive aufs Gaspedal. Das nahm Tempo aus der produktivsten Offensive der Hauptrunde. Und auch nach vorne näherten sich die Münchner so etwas wie Playoff-Form. Bemerkenswert vor allem Oscar da Silva. Was der Münchner vor den Augen seines Bruders Tristan tat, das hatte Hand und Fuß. Passend: Zehn Würfe brachte er an, alle zehn saßen. Fast schon meisterlich – auch wenn da Silva kurz vor Schluss mit fünf Fouls vom Feld musste.
Am Ende eines langen mühsamen Spiels standen die Zuschauer dann doch noch auf ihren Sitzen. Ovationen für das Team, das demnächst unbedingt wieder Meister werden will. Einen Anfang haben die Bayern schon einmal gemacht.PATRICK REICHELT