Eiertanz um Neuer

von Redaktion

Alle Beteiligten mauern in der WM-Frage – zudem zwickt die Wade

Baumann: die Nummer eins – oder doch nicht? © Strauch/dpa

Nagelsmann am Samstag in Frankfurt. © Anspach/dpa

Mit Söhnchen Luca auf dem Rasen. © Hoermann/Imago

Vorsichtsmaßnahme: Manuel Neuer (rechts) wird wegen seiner Wade nach einer Stunde gegen Jonas Urbig (Bayern München) ausgewechselt. © Weller/dpa

München – Der Schleichweg aus der Allianz Arena hat eine Namen. „Leroy-Sané-Ausgang“ nennen böse Zungen die einzige Möglichkeit für Spieler des FC Bayern, unbemerkt zum Bus zu gelangen. Der Ex-Bayer nahm ihn einst regelmäßig, nach dem 5:1 (3:1) zum Saisonabschluss gegen den 1. FC Köln trickste nun Manuel Neuer die wartende Presse aus. Als alle auf ein Statement des Kapitäns zu seiner wohl anstehenden WM-Nominierung und vor allem seiner angeschlagenen Wade lauerten, war der 40-Jährige längst weg. Über den Medienraum nach draußen geschlichen – und auf dem Weg zum MRT.

Dabei hätte dieser Samstag eigentlich ein Feiertag für Neuer werden sollen. Spiel eins nach der Vertragsverlängerung, Meisterfeier, die WM – so sickerte es nach der Partie durch – trotz des Rücktritts vor zwei Jahren vor der Brust. Stattdessen aber kam der 40-Jährige verspätet und mit Sorgenfalten bei der internen Feier am Nockherberg an. Dass seine Ehefrau Anika im transparenten Ganzkörperanzug funkelte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Neuers Laune nicht die beste war. Als „Vorsichtsmaßnahme“ (Christoph Freund) wurde seine Auswechslung in der 60. Minute aufgrund von leichten Wadenbeschwerden verkauft, später hatte er jegliche Bierdusche mit Verweis auf sein angeschlagenes Bein abgelehnt. Am Sonntag dann Gewissheit: muskuläre Probleme, „ein paar Tage kürzertreten“. Aber jeder weiß: Neuer und die linke Wade – da war schon öfter was.

Dass nicht nur der FC Bayern mit Blick auf das Pokalfinale am kommenden Samstag in Berlin zittert, sondern auch Deutschland fast 20 Jahre nach Michael Ballack wieder eine „Wade der Nation“ hat, liegt in all dem begründet, was rund um diesen letzten Spieltag in der Causa Neuer passierte. Sky hatte kurz nach Abpfiff von einer WM-Nominierung des eigentlichen DFB-Rentners berichtet, Neuers Worte „Fragen Sie den Trainer. Für mich ist das im Moment kein Thema. Der Fokus liegt auf dem DFB-Pokal-Finale“ hörten sich nicht nach einer Absage an. Uli Hoeneß gab im Rathaus am Sonntag zu Protokoll: „Wenn er und der Bundestrainer sich dazu entscheiden sollten, würde ich das sehr begrüßen. Obwohl mir der Baumann sehr leidtut, dass das so kommen muss.“

Da ist der Ehrenpräsident des FC Bayern nicht alleine. Oliver Baumann hatte in der ARD mit Blick auf seinen Status als aktuelle Nummer eins nicht gerade gut gelaunt gesagt: „Das war mein Stand oder ist mein Stand. Ich gehe da auch sehr selbstbewusst hin.“ Eine „andere Info“ hat der Hoffenheimer bisher nicht, weil Julian Nagelsmann noch nicht alle Gespräche geführt hat. Hoeneß hofft, dass all das „nicht zu viel Unruhe“ bringt.

Mit Spannung wurde parallel zur Meisterfeier der Auftritt des Bundestrainers im „Aktuellen Sportstudio“ erwartet, aber Klarheit gab es auch da nicht: „Es wird immer zuerst der Spieler kontaktiert, das hat noch nicht stattgefunden“, so Nagelsmann. Der 38-Jährige lässt sich „nicht treiben“ bis zur Kaderbekanntgabe am Donnerstag. Bis dahin wird Neuers Wade genau beobachtet. Dass Neuer auf dem Rathausbalkon mehrfach Nachrichten am Handy tippte? Auch das darf man interpretieren. Der Eiertanz geht noch vier Tage weiter. Dann steht entweder das große Tor offen – oder der Abgang durch die Hintertür.H. RAIF UND M. BONKE

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