Und schon kommt ein Schicksalsspiel

von Redaktion

Unerwartete Niederlage gegen Lettland setzt deutsches Team bei der WM unter Druck

Die Scheibe springt Deutschland davon: Verteidiger Fabio Wagner gegen Lettland. © CLAUDIO THOMA/EPA

München/Zürich – Und nun, was tun? Man muss alle Sport- und Eishockeyfloskeln bemühen: Mund abputzen, weitermachen, die bisherigen Ergebnisse vergessen, wieder bei Null anfangen, sich sammeln, alles raushauen, Pucks und Körper vors gegnerische Tor bringen und hoffen, dass die Scheiben reinfallen.

Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz ist die deutsche Nationalmannschaft schnell unter Druck geraten. Anders als das 1:3 gegen Finnland zum Auftakt war eine Niederlage gegen Lettland nicht einkalkuliert. Doch sie geschah: 0:2 (0:1, 0:1, 0:0) verlor man die Partie, die man hätte gewinnen müssen – und leicht können. Und schon wartet die schwerste Aufgabe der Gruppenphase: Am Montagabend (20.20 Uhr, Pro 7 und MagentaSport) muss Deutschland sich der Schweiz stellen. Dem in den vergangenen beiden Jahren deutlich besseren Nachbarn, Vizeweltmeister und im eigenen Land WM-Mitfavorit. Kategorie Schicksalsspiel, wenn man noch ins Viertelfinale will.

Frohgemut waren die deutschen Spieler im Kabinengang gestanden, bevor sie auf die Eisfläche der Swiss Life Arena traten. Frederik Tiffels freute sich auf das Zusammenwirken mit dem nachnominierten NHL-Crack Lukas Reichel, mit dem er und Josh Samanski die Hochgeschwindigkeitsreihe bilden sollten. „Wir müssen früh Punkte sammeln im Turnier – und heute ist ein guter Tag, damit anzufangen“, sagte Tiffels. Es gab Phasen, in denen er und seine beiden Kollegen beschwingt übers Eis flogen – und dennoch: Der beherzte Beginn, der Nürnberger Samuel Dove-McFalls mit einigen harten Checks untermauerte, verflüchtigte sich. Am Ende des ersten Drittels standen lediglich fünf deutsche Torschüsse in der Statistik – und vor allem: ein 0:1-Rückstand. Spätestens da war die Gewissheit eingesickert in die deutschen Köpfe: Es würde kompliziert werden.

In der Vorbereitung hatte Bundestrainer Harold Kreis die Mannschaft auf das unbequeme Mann-gegen-Mann-Agieren der Letten eingestellt. Und es war klar, dass, würde man zum Abschluss kommen, dem Torerfolg einer im Weg stehen könnte, den viele Spieler bestens kennen: Lettlands Goalie Kristers Gudlevskis von den Fischtown Pinguins Bremerhaven. Zweimal schon ist er in der DEL zurm „Torhüter des Jahres“ gewählt worden. Im zweiten Durchgang zündeten die Deutschen die doppelte Anzahl an Schüssen auf den lettischen Kasten, sie hatten hochkarätige Chancen wie Edmonton-Stürmer Samanski, der alleine auf Gudlevskis zulaufen konnte – und an ihm scheiterte. „Der macht einen guten Job“, lobte Samanski Lettlands letzte Instanz – und meinte fast flehentlich: „Wir brauchen ein Tor, dann kommen die anderen. Es liegt nicht daran, dass wir nichts kreieren würden.“

Doch nach 40 Minuten hatten die Letten ihren Vorsprung auf 2:0 ausgebaut. Das 1:0 in der vorletzten Minute des ersten Abschnitts war einem Schuss von Martisn Dzierkals entsprungen, den der deutsche Keeper Philipp Grubauer (Seattle) nicht richtig gesehen hatte. Ihren zweiten Treffer erzielten die Letten durch Rudols Balcers, als sie ein Überzahlspiel hatten (25.).

Das deutsche Team fiel nicht auseinander, es übernahm immer mehr die Aktionshoheit, schoss und schoss, vieles war richtig – doch nichts ging.GÜNTER KLEIN

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