Ein neuer Erstligaschauplatz: Das Ursapharm-Areal an der Kaiserlinde © IMAGO
Hereinspaziert: Conte bejubelt das 1:0 gegen Münster – damit war das Tor zur Bundesliga aufgestoßen. Mit einem 3:0-Sieg spazierte der SV Elversberg souverän durch. © dpa / U. Anspach
Feiern können sie schon: Die Fans des SV Elversberg bejubeln den Aufstieg in die Bundesliga. Nach dem 3:0 gegen Münster am Sonntag brachen alle Dämme. © Epa / Ronald Wittek
Elversberg/München – Harry Kane zieht sich im Container um, Vincent Kompany coacht vor einer Baustelle – und von den Rängen schauen nicht einmal 10.000 Menschen zu: Auf die großen Stars der Fußball-Bundesliga wartet in Elversberg eine komplett andere Welt. Der Dorfverein hat wie einst die TSG Hoffenheim seine „Mondlandung“ geschafft. Auf der Bühne im Stadion ließen es die Aufstiegshelden deshalb gehörig krachen.
Doch der Blick des Trainers richtete sich schnell auf die wartenden Mammutaufgaben in Deutschlands Eliteliga. „Jetzt wartet die Reise zum Mars“, sagte Vincent Wagner nach dem entscheidenden 3:0 (2:0) gegen Preußen Münster: „Das hat noch keine Person geschafft, das wird nun die Aufgabe. Mit Elversberg den Klassenerhalt zu schaffen, ist wie die Reise zum Mars.“ Zugleich gratulierte er dem Club, da er durch den Aufstieg schon für die Saison 26/27 „den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft“ habe.
Diese Demut und das ruhige Umfeld zeichnen die Saarländer aus, die vor gerade einmal fünf Jahren noch vor 400 Zuschauern in der Regionalliga spielten. Dort, wo aktuell die SpVgg Unterhaching ihre Kreise zieht. Auch im Süden Münchens wird man ganz genau hingeschaut haben, was sich seit Sonntag rund um den SVE abspielt – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn: Ein Dorfclub in der Bundesliga? Das haben die Hachinger schließlich selbst erfunden! 1999 stieg die Spielvereinigung sensationell in die 1. Liga auf, schrieb als historisch kleinster Standort Fußballgeschichte. Diesen Titel schnappte sich nun jedoch die SV Elversberg, die nebenbei als 59. Bundesligist nach 33 Jahren das Saarland zurück auf die Erstliga-Landkarte katapultierte.
Die Dorfclubs im Vergleich:
Elversberg: 12.800 Einwohner zählt die Doppel-Gemeinde Spiesen-Elversberg. In Elversberg selbst sind es sogar nur 7500. Kurios: Wer als Auswärtsfan mit dem Zug anreisen will, sieht schwarz: Es gibt keinen (!) Bahnhof. Saarbrücken als nächste Großstadt ist ca. 15 Kilometer entfernt. Auch einen Rathausbalkon gibt es übrigens nicht. Gefeiert wird auf einem improvisierten Anbau aus Gerüsten. Die erste Party war noch direkt im Stadion gestiegen. Die Ursapharm-Arena befindet sich aktuell im Umbau. Gespielt werden kann dort nur mit einer Sondergenehmigung der DFL. In der Rückrunde soll die Baustelle fertig werden, dann passen immerhin 15.000 Menschen an die Kaiserlinde.
Unterhaching: 27.393 Einwohner zählte die Gemeinde zum 31. März 2026 – und damit mehr als doppelt so viel wie die Saarländer. Das Stadion am Sportpark, in dem Haching den FC Bayern (1:0) schlug und Bayer Leverkusen (2:0) am letzten Spieltag 1999/2000 die Meisterschaft wegschoss, gehört seit diesem Jahr dem FC Bayern. Mit einem Fassungsvermögen von rund 15.000 Zuschauern war die Arena eine der kleinsten, in denen jemals Bundesliga-Fußball gespielt wurde.
Hoffenheim: Bis zur kommenden Saison noch dürfen sich die Kurpfälzer als kleinste Bundesliga-Stadt kleinmachen. Die 36.000-Einwohner-Stadt Sinsheim mit dem 1972 eingemeindeten Ort Hoffenheim (3.300 Einwohner) spielt seit 2008 im Oberhaus. Mit dem 1.FC Heidenheim steigt ein weiterer Dorfclub dagegen in die 2. Liga ab. Im gleichnamigen Landkreis weinten 135.000 Menschen mit dem Verein.JOHANNES OHR