Wer soll ihn stoppen?

von Redaktion

29 Matches unbesiegt – darum scheint Sinner unschlagbar

Jannik Sinner nach seinem Triumph in Rom. © Antimiani/EPA

Rom/Paris – Der größte Gegner für Jannik Sinner ist er selbst. Das wurde bei seinem historischen Triumph in Rom wieder deutlich, als einzig eine körperliche Schwächephase im Halbfinale den Siegeszug kurz in Gefahr brachte. Ist der italienische Weltranglistenerste fit, steht er aktuell „zwei Stufen über allen anderen“, wie der deutsche Tennisstar Alexander Zverev treffend analysierte.

Sinner ist seit 29 Matches unbesiegt und gewann sechs Masters-1000-Turniere hintereinander. Erst als zweiter männlicher Profi neben Novak Djokovic hat er bei allen neun Turnieren dieser zweithöchsten Kategorie im Tennis mindestens einmal triumphiert. Bei den am Sonntag beginnenden French Open ist der 24-Jährige wieder der haushohe Favorit.

■ Extraklasse

Mit seinen langen und harten Grundschlägen kann Sinner einen Gegner förmlich erdrücken. Manchmal fühle es sich an, „als würde man gegen eine Wand spielen“, sagte Zverev. Zudem macht der Italiener nur wenig Fehler. Er agiere wie eine Maschine mit „einer Art künstlichen Intelligenz“, sagte Ex-Spielerin Andrea Petkovic. Sinner improvisiert nicht gerne, er erweitert sein Schlag-Repertoire dafür durch intensives Training.

■ Mentalität

„Er hat diese Siegermentalität“, sagt sein Trainer Darren Cahill: „Ich glaube, er wurde damit geboren und er liebt diese Situationen.“ Doch dahinter steckt auch harte Arbeit, Sinner gilt als trainingsbesessen. Auch an seiner einzigen Schwachstelle, der körperlichen Belastbarkeit in längeren Matches, arbeitet er. Das Trinken von Gurkenwasser ist nur ein Beispiel für seine optimierte Ernährung.

■ Das Fehlen von Alcaraz

Die Abwesenheit seines verletzten Dauerrivalen sorgt aktuell für Langeweile bei der Titeljagd. Carlos Alcaraz (23) war in den vergangenen zweieinhalb Jahren der Einzige, der dem Italiener auf Augenhöhe begegnete. Die vergangenen neun Grand-Slam-Siege gingen alle auf das Konto der beiden Ausnahmekönner. Der epische Finalsieg des Spaniers im Vorjahr bei den French Open tat Sinner extrem weh.

Alcaraz‘ variables und unberechenbares Spiel kann Sinners Power-Tennis ins Stocken bringen. Die sportliche Rivalität der beiden, die sich außerhalb des Platzes gut verstehen, treibt beide zu Höchstleistungen.

■ Schwäche von Zverev und Co.

Nach seinem Triumph in Rom hat Sinner in der Weltrangliste knapp 9.000 Punkte Vorsprung auf den Dritten Zverev – das sind im Tennis Welten. Der Deutsche scheint nach neun Niederlagen in Serie gegen den Italiener irgendwie auch den Glauben an einen Erfolg im direkten Duell verloren zu haben. Beim Halbfinal-Aus in Monte-Carlo gegen Sinner sagte Zverev hilfesuchend in Richtung seiner Box: „Ich weiß nicht, was ich gegen ihn machen soll.“

Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic, der Jannik Sinner im Halbfinale der Australian Open eine von insgesamt nur zwei Saisonniederlagen zufügen konnte, hat körperliche Probleme und schied in Rom früh aus. Auch die Top-Ten-Spieler Felix Auger-Aliassime, Ben Shelton, Taylor Fritz und Alex de Minaur plagen sich mit Blessuren oder Formschwächen herum.DPA

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