Eishockey erlebt in Deutschland einen Boom: Rekordzahlen in DEL und DEL2, sogar in der Oberliga wird professionell gespielt. Wenn ein NHL-Team mit einem Deutschen ein Gastspiel ankündigt, ist es binnen Minuten ausverkauft. Ausgelöst hat dieses Interesse die Nationalmannschaft mit ihren Silbermedaillen: 2018 bei Olympia und zur Bestätigung 2023 bei der WM. Und 2027 ist Heim-Weltmeisterschaft. Halleluja?
Noch trauen sich nur ein paar kritische Geister die Tatsachen zu benennen. Dabei ist unverkennbar: Das deutsche Eishockey hat den Sinkflug eingeleitet. Wie sich die Nationalmannschaft präsentiert, das erinnert an die grauen Jahre unter den Bundestrainern Greg Poss, Uwe Krupp, Köbi Kölliker (eine fast schon vergessene Episode) und Pat Cortina, als es mit einer Ausnahme (Krupp 2010) die Norm war, dass man bei der WM das Viertelfinale verpasste. Es geht gerade etwas verloren. Der große Aufbruch unter Marco Sturm, das Selbstbewusstsein, für das Toni Söderholm („Ein Sieg gegen Kanada ist das neue Normal“) stand, und auch die souveräne Amtsführung der ersten zwei Jahre des jetzigen Bundestrainers Harold Kreis – das alles ist nur noch eine wehmütige Erinnerung.
Das Nationalteam ist ein Endverwerter, seine Klasse hängt von der Zulieferung aus den Ligen ab. Man sollte sich nichts vormachen: Geschäftlich mag die DEL ein Erfolg sein, sportlich verliert sie den Anschluss in Europa, auch die vergötterten Berliner sind nur ein national-regionales Phänomen. Die Importspieler kommen aus der dritten Liga Nordamerikas oder sind in Russland, Finnland, Schweden, der Schweiz gescheitert – die DEL ist ihr Austragshäuserl. Nachwuchs kommt kaum nach oben, talentierte deutsche Junioren lassen sich, weil ihnen nicht vertraut wird, lieber in Kanada, USA, Skandinavien ausbilden.
Allerdings ist auch die Nationalmannschaft selbst zum Problemfeld geworden. Harold Kreis hat sich verirrt in seinen Vorstellungen, wie ein Team zu bauen sei, seine WM-Nominierung spiegelt nicht die Leistungen der vier Wochen langen Vorbereitung wider. Eine starke Verbandsführung hätte die Tendenz schon bei der WM vor einem Jahr erkannt, doch sie verschanzt sich hinter Erfolgen, die nicht sie eingeleitet hat, sondern das Vorgänger-Präsidium um Franz Reindl mit dem Konzept, das sie „Powerplay 26“ nannte. Die Zahl war willkürlich gewählt, aber nun passt sie: 2026 als Endstation – und kein Plan für die Weiterreise.