Eine Einheit: Der SC Freiburg will auch in Istanbul als Team auftreten – und so das Wunder schaffen. © Weller/dpa
Malerisch: Das Tüpras Stadyumu in Istanbul.
Istanbul – Die Mannschaft vor dem größten Spiel der Vereinsgeschichte, mehr als 10.000 Fans auf dem Weg an den Bosporus – und alle eint ein großer Traum: Der SC Freiburg möchte sein europäisches Märchen mit dem Gewinn der pompösen Silbertrophäe krönen. „Es macht keinen Sinn zu verlieren, mit dem Motto müssen wir dahinfahren. Hoffentlich dürfen wir am Ende den Pokal hochheben“, sagte Kapitän Christian Günter: „Aber man kann träumen, so viel man will – es muss erst mal erreicht werden.“
Zumal die Breisgauer gegen den englischen Topclub Aston Villa als klarer Außenseiter in das Finale der Europa League gehen. Doch das soll am Mittwoch (21.00 Uhr/RTL) in Istanbul auf dem Weg zum ersten großen Titel der Vereinshistorie keine Rolle spielen. „Letzten Endes ist es Fußball, es ist ein Spiel, es ist ein Finale“, sagte Abwehrchef Matthias Ginter: „Da ist alles möglich und wir versuchen natürlich, einen guten Tag zu erwischen und hoffen, dass sie vielleicht nicht ihren besten haben.“
Der Kader der Engländer ist fast dreimal so viel wert wie der der Freiburger. „Ich weiß, wie unangenehm wir sind“, betonte Angreifer Igor Matanovic: „Jeder hatte gegen uns Probleme und wir werden auch die vor Probleme stellen.“ Der Sport-Club werde sich im Tüpras Stadyumu keinesfalls „verstecken“. Zu groß ist das Selbstvertrauen nach dieser magischen Europapokalreise mit Erfolgen gegen KRC Genk, Celta Vigo und Sporting Braga in der K.o.-Phase.
Die Euphorie in Südbaden ist riesig. Zwar beträgt das offizielle Kartenkontingent lediglich 11.000 Tickets, doch vermutlich werden weit mehr Freiburger Anhänger die Reise in die Türkei antreten. „Das ist geisteskrank. Das ist, glaube ich, nicht normal“, sagte Torhüter Noah Atubolu. Schließlich sei man doch nur „der kleine SC Freiburg“, wie Mittelfeldspieler Nicolas Höfler bereits nach dem Platzsturm im Halbfinale anmerkte.
Der Anhang soll das Spiel gegen den von Edelfan Prinz William unterstützten Vierten der Premier League zum gefühlten Heimspiel machen. „Sie sind sehr, sehr heimstark, auswärts nicht so“, sagte Ginter: „Deshalb hoffen wir, dass unsere Fans ein Heimspiel draus machen können.“ Dann schlägt eben auch „manchmal der Underdog den Favoriten“. Helfen soll dabei auch die Erfahrung des 2022 im Elfmeterschießen verlorenen DFB-Pokalendspiels gegen RB Leipzig.
Dabei wird der international eher unerfahrene Julian Schuster an der Seitenlinie auf „Mister Europa League“ treffen: Unai Emery gewann den Titel mit dem FC Sevilla oder dem FC Villarreal schon viermal. Nicht nur deshalb wird die Aufgabe „ein Brett“, so Trainer Schuster: „Aber wenn man im Finale spielt, wäre es vermessen, nicht auf Qualität zu treffen.“
Er wolle dennoch für seinen Verein „die Vitrine mit einem Pokal füllen“ – und als I-Tüpfelchen käme dann ja sogar noch die erstmalige Qualifikation für die Champions League obendrauf.SID