„Es war nicht alles schlecht“: Markus Kauczinski. © IMAGO
München – In der Endabrechnung steht ein achter Platz, in der gefühlten Tabelle der Fans ein Abstiegsplatz. Nur ein Sieg aus den letzten zehn Spielen, die jüngsten Auftritte uninspiriert, das Gegrummel in Giesing unüberhörbar. Beobachtung von 1860-Trainer Markus Kauczinski: „Alle sind jetzt enttäuscht und sagen, wie fürchterlich diese Saison war.“ Nur einer nicht: der Trainer selbst. „Also, ich grabe mir jetzt kein Loch und lege mich da rein.“
Die Saison beerdigen – ja. Alles in Grund und Boden reden – nein. Beim Saisonfazit in kleiner Runde spricht Kauczinski über Fehler, über fehlende Konstanz – und über einen Kader, „der nie einen funktionierenden Kern herauskristallisiert hat“. Gleichzeitig wehrt er sich gegen die Totalabrechnung. „Es war nicht alles gut – aber es war auch nicht alles schlecht.“
Auch nach acht Monaten im Amt ist ihm der berüchtigte Löwen-Blues fremd – noch. Stattdessen differenziert er, als es um die Rückrunde geht, in der die großen Ziele endgültig außer Sicht gerieten. Sündenböcke? Schicksalsmomente? „Es gibt nicht diesen einen Punkt oder Grund“, sagt er. Die Last-Minute-Niederlage in Duisburg sei „schon ein Knackpunkt“ gewesen, der eigentliche „Nackenschlag“ aber Cottbus. „Nach Cottbus war mir klar: Das funktioniert nicht.“
Interessant dabei: Kauczinski spricht weniger über fehlenden Willen als über fehlende Stabilität. Über Spieler, die „wie auf einem Taubenschlag“ ständig rein- und rausrotierten. Über eine Mannschaft, die Intensität nur phasenweise liefern konnte. Über eine zu alte Mannschaft. Über fehlende Widerstandskraft. „Wir müssen lernen, konstant zu sein“, fordert er. Und: „Wir brauchen Spieler, die Intensität geben können.“
Was nicht heißt, dass er sich nicht selbst hinterfragt. Analyse sei bei ihm ein Prozess: „Warum hast du das gemacht? Warum nicht früher? Warum überhaupt?“ Gleichzeitig sorgt er dafür, dass ihn das berühmte Löwen-Umfeld nicht auffrisst: „Ich brauche einen Platz, Bälle und zwei Tore.“ Fußballtrainer-Denke in Reinform.
Vielleicht ist genau das Kauczinskis größte Stärke: dass er sich von der Lautstärke dieses Clubs nicht verrückt machen lässt. Dass er Platz acht weder feiert noch zur Katastrophe erklärt. „Ich kann relativieren, ohne zufrieden zu sein“, sagt er.
So klingt keiner, der seine Entscheidung für 1860 bereut. Zumal ihm von Anfang an klar gewesen sei, dass „der Gürtel enger geschnallt“ werden müsse – und 1860 in der neuen Saison nicht zu den Aufstiegsfavoriten zählt. Motivationsprobleme? Kauczinski schüttelt den Kopf und grinst in die Runde. „Da müsst Ihr Euch keine Sorgen machen!“ULI KELLNER