ZUM TAGE

Das Team steht, die Fragen bleiben

von Redaktion

Zu Nagelsmanns WM-Nominierungen

Zu den seltsamen Erscheinungen des sogenannten Transferjournalismus gehört es inzwischen auch, dass vermeintliche Enthüllungen veröffentlicht werden, obwohl es eigentlich gar nichts zu enthüllen gibt. Am Donnerstag stand nämlich die Bekanntgabe des WM-Kaders durch den Bundestrainer an, vorher geisterten aber bereits zahlreiche Eilmeldungen durchs Internet: Kai Havertz ist dabei. Nick Woltemade ist dabei. Und sogar Jamal Musiala ist dabei! Wer hätte damit rechnen können?

Aber mal im Ernst: Natürlich hatte es riesigen Nachrichtenwert, dass Manuel Neuer als Nummer eins zur WM reisen wird. Dass diese Meldung bereits mehrere Tage zuvor durchsickerte, bevor Julian Nagelsmann die Entscheidung öffentlich erklären konnte, war ein kommunikatives Desaster. Ansonsten verbarg sich bei den Nominierungen am Donnerstag aber weniger Zündstoff, als der Trubel drumherum vermuten ließ. Denn Nagelsmanns Startelf steht bereits seit Wochen mehr oder weniger fest. Neuer steht – wenn rechtzeitig fit – im Tor, davor verteidigen Kimmich, Tah, Schlotterbeck und Raum. Für die Doppelsechs bleibt lediglich die Frage, ob der noch angeschlagene Nmecha den Platz neben Pavlovic einnehmen kann, ansonsten würde Goretzka starten. Und davor stellt sich die Offensive um Wirtz, Musiala, Havertz und Woltemade quasi von allein auf, höchstens Undav könnte noch für Überraschungen sorgen. Bei den restlichen Kaderplätzen geht es eher um die Frage, wer mit seiner Rolle als Einwechselspieler besser dabei helfen kann, einen 0:1-Rückstand aufzuholen oder eine 1:0-Führung zu verteidigen. Dabei setzt Nagelsmann offensiv mit Karl und Amiri auf Frische und Unbekümmertheit, defensiv mit Brown auf Tempo. Das ist richtig und nachvollziehbar.

Dass aber selbst um diese Entscheidungen so große Diskussionen entstanden, zeigt, wie fragil das fußballdeutsche Selbstvertrauen derzeit ist. Statt die Besetzung der Kaderplätze 23 bis 26 zu hinterfragen, sollte sich die Debatte nun lieber darum drehen, wie die erste Elf erfolgreich zusammenspielt. Genau darauf muss Nagelsmann nämlich dringend Antworten finden.

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