„Wir können nur gewinnen!“

von Redaktion

VfB-Stuttgart-Boss Alexander Wehrle über das DFB-Pokalfinale gegen Bayern

Alexander Wehrle mit dem DFB-Pokal. © Simon/imago

Trainer Sebastian Hoeneß mit Deniz Undav. © Anspach/dpa

Unterlegen: Ende April verlor der VfB in München nach einer Führung noch mit 2:4. © Weller/dpa

Pokalsieger 2025: Der VfB Stuttgart um Trainer Sebastian Hoeneß steht erneut im DFB-Pokalfinale in Berlin. © Weller/dpa

Stuttgart – Ein Jahr nach dem historischen Pokalsieg gegen Arminia Bielefeld steht der VfB Stuttgart erneut im DFB-Pokalfinale. Mit dem FC Bayern wartet am Samstag (20 Uhr/ARD) nun allerdings die größtmögliche Herausforderung. Vor dem Endspiel spricht VfB-CEO Alexander Wehrle in der tz über die Erinnerungen an 2025, die Außenseiterrolle gegen den Rekordmeister – und über die Zukunft von Erfolgstrainer Sebastian Hoeneß.

Herr Wehrle, wie fühlt man sich als amtierender Pokalsieger? Wie frisch sind die Erinnerungen an 2025?

Die Bilder habe ich natürlich noch im Kopf. Die Ausgangssituation war damals eine andere. Vom Ausgang des Finales 2025 hing sehr viel ab – nicht zuletzt die Qualifikation für die Europa League. Entsprechend groß war die Erleichterung, als wir den Titel dann gewonnen haben.

Ein Jahr später steht der VfB schon wieder in Berlin. Ist das schon Routine – oder bleibt es etwas Besonderes?

Das bleibt immer etwas ganz Besonderes. So etwas kann man nicht planen, es hängt auch von Auslosungen und Spielverläufen ab. Zweimal hintereinander im Pokalfinale – das hatten wir in unserer Vereinsgeschichte noch nie. Das zeigt, wie außergewöhnlich das ist. Und gegen Bayern München bekommt das Ganze natürlich noch einmal eine besondere Dimension.

Bayern-Sportvorstand Max Eberl hat sich nach dem Halbfinale den VfB als Gegner gewünscht. Was sagen Sie dazu?

(schmunzelt): Ich sag mal so: Wir haben es schon zur Kenntnis genommen, dass er die Favoritenrolle klar dem FC Bayern zugeschoben hat. Für uns ist das ein zusätzlicher Ansporn.

Was erwarten Sie grundsätzlich für ein Finale?

Dass wir nicht der absolute Favorit sind in diesem Spiel, ist glaube ich jedem klar. Aber Sebastian Hoeneß wird unsere Mannschaft so einstellen, dass wir am Ende eine Chance haben werden, die Bayern zu schlagen.

Der VfB konnte nur zwei der vergangenen 32 Spiele gegen Bayern gewinnen. Größer kann die Außenseiterrolle kaum sein, oder?

Wir freuen uns sehr auf dieses Spiel. Am Ende können wir nur gewinnen. Wir haben mit Platz vier und der Qualifikation für die Champions League eine sehr gute Saison gespielt und können mit Freude und Selbstvertrauen in das Finale gehen. Und wenn du es nach Berlin schaffst, hast du bekanntlich immer eine Chance.a

Was hat die jüngste Niederlage in München gelehrt?

Man lernt aus jedem Spiel etwas. Positiv war, dass wir gut reingekommen sind und in den ersten 25 Minuten wirklich gut dabei waren. Danach haben wir aber auch gesehen, wie schnell ein Spiel gegen die Bayern kippen kann. Diese Erkenntnisse nehmen wir mit – aber ein Finale hat seine eigenen Gesetze.

Vor gut einem Jahr sagten Sie uns, dass sie den Abstand zu Bayern verringern wollen…

Absolut. Man kann ja nicht sagen, dass die Lücke für immer so bleiben soll. Natürlich wollen wir sie verkleinern. Aber wir sind auch nicht so vermessen zu sagen: Jetzt greifen wir Bayern und Dortmund an. So weit sind wir noch nicht.

Wo muss der VfB noch besser werden?

Wir erwirtschaften inzwischen für unsere Verhältnisse Rekordumsätze und gehören diesbezüglich zu den Top-20-Clubs in Europa. Da sind wir auf dem richtigen Weg. Aber wenn man die Zahlen nüchtern betrachtet, ist der Abstand – z.B. zu den Bayern – immer noch erheblich. Diese Lücke wirst du auch nicht in vier oder fünf Jahren schließen können. Dafür braucht man einen sehr langen Atem.

Sportlich könnte es besser kaum laufen. Sie sind zum dritten Mal in Folge international dabei, zum zweiten Mal nacheinander im Pokalfinale: Erleben wir gerade den besten VfB aller Zeiten?

Der VfB hat eine lange Geschichte. Zwischen 2003 und 2011 hatten wir schon mal eine sehr erfolgreiche Phase mit der Meisterschaft und regelmäßigen Teilnahmen an der Champions League und der Europa League. Aber aktuell ist es nicht nur der sportliche Erfolg – wir spielen auch einen mitreißenden Fußball. Dazu haben wir uns als Club entwickelt. Wir haben finanzielle Stabilität dazugewonnen und starke Partner wie Porsche und Mercedes als Anteilseigner. Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen drei Jahren extrem verbessert.

Der Erfolgsfaktor schlechthin ist natürlich Trainer Sebastian Hoeneß. Wie oft klopfen Sie täglich auf Holz, dass niemand anruft und ihn abwirbt?

(lacht): Wir stehen in engem Austausch und planen intensiv die neue Saison – andere Themen gibt es zwischen uns aktuell überhaupt nicht.

Wie abhängig ist der VfB von ihm?

Grundsätzlich betrachtet hat ein Trainer in jedem Club eine zentrale Rolle. Aber natürlich hat Sebastian einen außergewöhnlichen Anteil an unserer positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren. Deshalb wollen wir auch möglichst lange mit ihm zusammenarbeiten.

Sein Onkel Uli Hoeneß hat ihn erst kürzlich öffentlich gelobt und gesagt, dass er ihm irgendwann auch das Amt beim FC Bayern zutraut.

Ich habe schon öfter gesagt, dass Sebastian in der Lage dazu ist, jeden europäischen Topclub zu trainieren. Aber er weiß, was er hier hat – und wir wissen, was wir an ihm haben. Er ist noch jung und hat sicher noch eine große Zukunft vor sich.

Welche gemeinsamen Ziele haben Sie noch?

Wir wollen idealerweise dauerhaft in drei Wettbewerben erfolgreich Fußball spielen. Das ist kein Naturgesetz und für den VfB nicht selbstverständlich. Bayern, Dortmund, Leverkusen und Leipzig haben wirtschaftlich ganz andere Möglichkeiten. Stabilität zu gewinnen, ist daher der nächste wichtige Schritt.

Dazu braucht es einen schlagkräftigen Kader. Wie hoch ist der Anteil am Rekordumsatz, der am Ende in die Mannschaft fließt?

Es ist immer unser Bestreben, einen maximal wettbewerbsfähigen Kader zu bauen. Wir haben die Verträge so abgestimmt, dass die Spieler in den europäischen Wettbewerben – entsprechend den Mehreinnahmen –mehr verdienen. Da haben wir ein ausgewogenes Verhältnis hinbekommen.

Die Fans warten sehnsüchtig auf die Vertragsverlängerung mit Deniz Undav.

Wir wissen, wie wichtig er für uns ist – auf und neben dem Platz. Und Deniz weiß , was er am VfB hat. Wir führen vertrauensvolle Gespräche, wollten uns aber zunächst auf die Bundesliga und den Pokal konzentrieren. Danach werden wir das Thema intensivieren.

Zum Abschluss: Wie sieht Ihr persönliches Traumfinale aus?

Das gesamte Wochenende in Berlin ist besonders. Die Hauptstadt steht ab Freitag komplett im Zeichen des Finals, die Fans beider Clubs sorgen für diese besondere Atmosphäre. Ich freue mich einfach auf das Spiel, gehe ohne übersteigerte Erwartungen hinein und möchte es einfach genießen.

INTERVIEW: JOHANNES OHR

Artikel 7 von 11