Das Thema der Nation wurde auch bei Sangria aus dem Eimer und Jägermeister aus dem 1-Liter-Krug besprochen. Oder wohl besser: begröhlt. Andrej Kramaric, Spieler der TSG Hoffenheim, feierte auf Mallorca im Trikot seines Teamkollegen Oliver Baumann. Aus dem Megapark sendete Kramaric seine Ansage an die Fußball-Welt: Baumann, du bist immerhin meine Nummer eins.
Julian Nagelsmann ließ die Botschaft aus der Partyhochburg wohl eher kalt und setzt auf Manuel Neuer. Immerhin: Die Zuckerstangen-Socken, die der Bundestrainer bei der Kaderbekanntgabe trug, hätten auch die Füße des durchschnittlichen Ballermann-Touristen auf der berühmten Schinkenstraße im Herzen von El Arenal schmücken können. Nicht nur der Fall Kramaric/Baumann zeigt: Die Playa de Palma ist die inoffizielle Außenstelle des deutschen Fußballs. Klar, in den biederen Büros in Frankfurt wird über TV-Verträge und Strukturen entschieden. Doch wer den (nach der ersten Biersäule wohl leicht erhöhten) Puls des Fußballs spüren möchte, fliegt auf die spanische Baleareninsel. Nicht nur zahlreiche Amateur-Vereine feiern hier jährlich den Aufstieg oder Klassenerhalt. Oder einfach, dass sie überhaupt gespielt haben. Einen Grund zum Feiern gibt es immer.
Zwischen stumpfen (aber sehr eingängigen) Liedern, Sonnenbrand und Strohhüten geschehen Wunder. Wo sonst werden Schiedsrichter ausnahmslos von jeder anwesenden Person gefeiert? Erst neulich hüpften Patrick Ittrich und Deniz Aytekin über die Bühne des Bierkönigs und feierten das Ende ihrer Karriere an der Pfeife. Kein VAR, keine kalibrierten Abseitslinien – der Auftritt mit Sänger Ikke Hüftgold, der Songs mit den vielsagenden Titeln wie „Schon wieder besoffen“, „Dosenbier“ oder „Bierlaterne“ in seiner musikalischen Vita stehen hat, erfreute die Menge und ging viral.
Genau wie das Video von Gladbach-Profi Florian Neuhaus, der sich im vergangenen Sommer über den ehemaligen Sportgeschäftsführer Roland Virkus lustig machte. Die Party-Bühne des Fußballs ist dann eben doch mit Vorsicht zu genießen …