Lange her: Kimmich hebt die Trophäe beim bisher letzten Pokalsieg vor sechs Jahren in die Luft – damals unter anderem noch dabei: Thiago, Pavard, Lewandowski, Hernandez und Alaba. © Voigt/Imago
Die Wade macht nicht mit: Manuel Neuer fehlt im Pokalfinale gegen Stuttgart. © HAIST/Imago
München – Der FC Bayern wollte das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen: Um 10.36 Uhr – und damit mehr als 24 Stunden vor Anpfiff – vermeldeten die Münchner offiziell, dass es bei Manuel Neuer wegen seiner Wade nicht für einen Einsatz im Pokalfinale in Berlin am Samstag (20 Uhr, ARD und Sky) reicht. Hintergrund: Sportvorstand Max Eberl war zur Mittagszeit zu einem Branchentreffen geladen.
„Die WM ist nicht in Gefahr, aber er kann morgen nicht spielen. Es ist einfach zu kurz nach der Verletzung, die am Samstag passiert ist. Dementsprechend ergibt es keinen Sinn, ihn im Pokalfinale ins Tor zu stellen mit dem Risiko, dass er sich schwer verletzen könnte“, sagte Eberl dort und erklärte: „Deswegen haben wir das zusammen entschieden, so schwer es dem Manu auch gefallen ist, auf das Finale zu verzichten. Jetzt steht Jonas Urbig im Tor.“
Die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko und das DFB-Comeback von Neuer werfen also ausgerechnet vor dem Pokal-Duell gegen den VfB Stuttgart ihre Schatten voraus. An dieser Stelle sei die Frage erlaubt: Wie hätten der 40-jährige Torhüter und der Club wohl entschieden, stünde Neuer nicht im WM-Aufgebot? Kaum vorstellbar, dass es der Kapitän gar nicht erst versucht hätte.
Zumal ein möglicher Pokal-Triumph maßgeblich über die finale Bewertung der Saison entscheiden wird. Sollte der deutsche Rekordmeister tatsächlich gegen den Titelverteidiger aus Stuttgart verlieren, erhält die vergangene Spielzeit maximal die Note „befriedigend“. Obwohl es Chefcoach Vincent Kompany geschafft hat, eine begeisternde Mannschaft zu kreieren, wird Erfolg an der Säbener Straße bekanntlich nur in Titeln gemessen. Steht am Ende „nur“ die Meisterschaft unterm Strich, könnte es vor allem für Sportchef Eberl ein unruhiger Sommer werden.
Denn das Champions-League-Aus im Halbfinale gegen Paris hat den Münchner Machern gnadenlos aufgezeigt, dass die Mannschaft im Hinblick auf Kaderstärke bisher nicht mit den absoluten Topclubs in Europa mithalten kann. Nicht umsonst meinte Torjäger Harry Kane jüngst: „Wenn wir nicht gewinnen, wird das einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Bei diesem Club sind zwei Titel das Minimum, auf das wir in jeder Saison abzielen sollten.“ Kompany sieht es nicht ganz so extrem. Bei der Abschluss-PK in Berlin sagte er: „Eine Saison bewerten wir nicht am Tag vor einem Finale. Jetzt müssen wir unsere Geschichte schreiben für dieses Spiel. Alles andere spielt keine Rolle in meiner Motivation. Ich habe wirklich Bock auf einen Sieg. Das ist das Einzige, was zählt in diesem Moment, nicht die Analyse.“
Nun richten sich daher alle Augen auf den Pokalkracher im Olympiastadion, bei dem es der FC Bayern mit dem amtierenden Titelverteidiger zu tun bekommt. Ein Erfolg ist Pflicht – auch ohne Manuel Neuer im Tor.M. BONKE, V. TSCHIRPKE