Mr. 100 Prozent

von Redaktion

Warum Oscar da Silva bei Bayerns Basketballern gerade in den Playoffs unersetzlich ist

Hinein ins Glück: da Silva ist ohne Fehlwurf. © IMAGO

Familiäre Schützenhilfe: Bruder Tristan (re.) schaute zweimal zu. © Wunderl/IMAGO

Der Playoff-Riese: Oscar da Silva (rechts) war in den beiden ersten Viertelfinals der konstanteste und beste Bayer. © Wunderl/IMAGO

München – Als die Schlusssirene auch das zweite Viertelfinalspiel der Basketballer des FC Bayern gegen Trier beendet hatte, führte Oscar da Silvas erster Weg an den Spielfeldrand des SAP Garden. Zu seiner Mutter und zu seinem Bruder Tristan, die die beiden Heimsiege aus der ersten Reihe verfolgt hatten. „Wenn die Familie da ist, muss man Gas geben“, sagte da Silva später und grinste.

Man kann es so sehen. Der Forward war in den ersten beiden Spielen die Konstante der Münchner. 27 Punkte steuerte er zum 2:0 in der Serie bei, vor dem dritten Duell am Samstag (14.30 Uhr) in Trier. Besonders bemerkenswert: Da Silva hat in dieser Viertelfinalserie bislang keinen einzigen Wurf vergeben. Selbst Teamkollege Johannes Voigtmann nennt das „crazy“.

Es wirkt fast ein wenig ungerecht, dass ein Spieler wie da Silva trotzdem leicht übersehen werden kann. Er ist kein spektakulärer Flieger wie Wenyen Gabriel, kein heißlaufender Schütze wie Andreas Obst. Da Silva ist kein lauter Spieler. Er ist ein intelligenter Basketballer, ein Spieler, der Situationen vor anderen erkennt – einer, dessen Wert auch darin liegt, dass beinahe jede seiner Aktionen ein Problem löst.

Für seinen Trainer Svetislav Pesic ist es das Ergebnis einer Entwicklung dieser Saison. Vor allem in der Euroleague habe da Silva „Erfahrungen und Selbstvertrauen gesammelt“, wie der 76-Jährige betonte. Aber es scheint auch so, dass dieser Oscar da Silva irgendwie genau der richtige Mann am richtigen Ort ist. Ein Spielertyp für die Playoffs. Ein Mann, der Leistung abruft in einer Phase, in der auch erfahrene Kräfte noch „dieses Flattern in der Magengrube“ verspüren, wie es da Silva selbst beschrieb.

Das wird vielleicht am Samstag noch wichtiger sein, wenn die Bayern zum ersten Mal auswärts ran müssen. Bei Gegner Trier brennt man nach den beiden deutlichen Niederlagen darauf, die Serie zumindest in die Länge zu ziehen. Mindestens in ein viertes Spiel, das am Montag an gleicher Stelle stattfände. Entsprechend groß war an der Mosel der Run auf das erste BBL-Playoff-Spiel seit der Insolvenz des Vorgängervereins TBB Trier. Die 5400 Tickets waren nach Clubangaben nach gerade einmal drei Minuten Vorverkauf vergriffen.

Oscar da Silva ahnt, dass etwas anderes auf ihn und seine Bayern zukommen wird als bei den eher geruhsamen ersten Duellen im SAP Garden. „Trier ist eine sehr gute Mannschaft, vor allem in der Offensive – wenn man sie lässt“, sagte er. Am Dienstag haben die Münchner die Offensivproduktion von Topscorer Jordan Roland und Kollegen ganz gut unterbunden – 65 Trierer Punkte standen am Ende auf der Anzeigetafel. An diese Abwehrleistung würde man auch im dritten Duell gerne anknüpfen. Und vorne wird man es schon richten. Für den Fall der Fälle haben die Bayern ja da Silva – ihren Mr. 100 Prozent.PATRICK REICHELT

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