Nah und doch fern: Hoeneß und Eberl in Berlin. © dpa
Bild des Abends? Nun ja. Da war noch etwas anderes: Die feiernden Bayern wurden vom Theater in der Führungsetage überstrahlt. Dabei gelang erstmals seit 2020 das Double. © Hirnschal/IMAGO
Berlin – Die obligatorische Siegeszigarre durfte freilich nicht fehlen bei der Pokalparty nach dem 3:0 (0:0) des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart. Genüsslich paffte Uli Hoeneß am Bosse-Tisch an seinem Stumpen und wurde unter den 1 200 geladenen Gästen zum gefragten Fotomotiv. Ein Bild mit Symbolcharakter, immerhin hatte der Ehrenpräsident seine Double-Bayern in der Hauptstadt verbal gleich auf mehreren Ebenen angezündet.
Aber der Reihe nach: Im „Spiegel-Spitzengespräch“ hatte der Hoeneß die Tendenz für eine Verlängerung des Vertrags mit Sportvorstand Max Eberl über 2027 hinaus auf „60:40“ beziffert und betont: „Da sind noch Zweifel.“ Als würde dieses öffentliche Misstrauensvotum wenige Stunden vor dem Anpfiff des letzten Spiels der Saison nicht schon reichen, legte der 74-Jährige in einem Halbzeit-Interview mit dem TV-Sender Sky nach. Auf Nachfrage, ob der Pokalsieg Eberls Chancen auf eine vorzeitige Verlängerung seiner Arbeitspapiere erhöhe, meinte Hoeneß nur: „Ich bin zu Max sehr gut eingestellt, aber ich weiß, was im Verein gedacht wird, und ich möchte nicht etwas sagen, was ich dann nachher nicht halten kann.“
Während sich der Münchner Sportchef (verständlicherweise) vor der Partie nicht zur Thematik äußern wollte, stand er nach Abpfiff in den Katakomben des Olympiastadions souverän seinen Mann. „Erst sportlich“, sagte der 52-Jährige, bevor die Kameras und Mikrofone angingen – wohlwissend, dass neben dem ersten Double seit sechs Jahren vor allem seine Personalie interessiert. Also ein paar Sätze zu diesem herrlichen Sieg, dann ging es sieben Minuten lang ans Eingemachte. Und wie! Bereitwillig und ohne Ausflüchte schoss Eberl in Richtung Hoeneß zurück.
„Ich war natürlich überrascht heute an dem Tag, dass das so passiert“, sagte Eberl und wurde sogar noch deutlicher: „Am Finaltag fand ich das nicht den richtigen Zeitpunkt.“ Genau deshalb hat Eberl auch rund um das Finale von einem Gespräch mit Hoeneß abgesehen, obwohl der Elefant natürlich auch auf der Tribüne des Olympiastadions im Raum stand. Und obwohl der Sportvorstand sagte, das Fell sei in den vergangenen zwei Jahren „dick geworden“, merkte man ihm den Unmut an.
Fast mit Galgenhumor nahm er die Posse um seine eigene Person an – und schloss immerhin „eine Blitztrennung von meiner Seite aus“. Ansonsten aber ist die Tendenz nach den Hoeneß-Aussagen, dass ab sofort alles passieren kann. Auch ein schnelles Eberl-Aus scheint nicht ausgeschlossen: „Wenn man nicht mehr möchte, dass ich weitermache, gehe ich nach Hause. Mein Leben wird weitergehen.“ Eberl, seit 2024 im Amt, muss „mit allen Szenarien leben, die mir auferlegt werden. Ich bin da, um meine Arbeit zu machen“, führte er aus. Selbst ein Erfüllen seines Vertrags im Falle einer Nicht-Verlängerung – also als „lame duck“ – führte er in seiner Aufzählung auf.
Das Heft des Handelns aber hat er nicht in der Hand. In der Aufsichtsratssitzung im August wird Eberls Arbeit bewertet. Immerhin das findet Eberl „legitim“. Man kann das miteinander diskutieren und besprechen. Das ist ein ganz normaler Prozess.“ Kleiner Trost für Eberl: Am Pokaltag bekamen auch die Bayern-Fans vom Ehrenpräsidenten ihr Fett weg, der deren massiven Einsatz von Pyro-Technik verurteilte: „Was die Zuschauer auf beiden Seiten heute aufgeführt haben, ist eine Unverschämtheit. Die haben das Spiel total zerstört.“ So wie Hoeneß den Moment des größten Triumphs von Max Eberl in seiner Karriere als Fußballmanager.MANUEL BONKE, HANNA RAIF