Der Kampf um die Formalitäten: In der Türkei sind die iranischen Kicker derzeit um die Visas für die Einreise in die USA bemüht. © Imago
Antalya – Weniger als drei Wochen vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft (11. Juni bis 19. Juli) verlegt die Nationalmannschaft des Iran ihr Quartier von den USA nach Mexiko. Wie der iranische Verbandspräsident Mehdi Taj in einem Video, das er auf seinem Telegram-Account veröffentlichte, erklärte, hat der Weltverband die Genehmigung erteilt, den Standort zu verlagern.
„Dank der Gespräche mit FIFA-Vertretern wurde unser Antrag, aufgrund von Visaproblemen von den USA nach Mexiko zu wechseln, glücklicherweise genehmigt. Wir werden in Tijuana, nahe dem Pazifik, unser Trainingslager aufschlagen“, sagte Taj. Ursprünglich sollte das Team Melli in Tucson im US-Bundesstaat Arizona Quartier beziehen.
Der Iran befindet sich seit Ende Februar in einem Krieg mit den USA. Derzeit herrscht eine vergleichsweise brüchige Waffenruhe. Allein die Teilnahme der Fußball-Nationalmannschaft des Landes in den Vereinigten Staaten unter diesen geopolitischen Umständen war seither zu einem Diskussionsthema geworden. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt erklärt, für ihn sei eine Teilnahme des Irans „okay“. Noch im März hatte er Iran von einer Teilnahme abgeraten und Sicherheitsbedenken angeführt. FIFA-Boss Gianni Infantino betonte jedoch mehrfach, ein Ausschluss des Irans käme für ihn „nicht infrage“. Zwischenzeitlich waren Spekulationen aufgekommen, dass die in der Qualifikation gescheiterten Italiener möglicherweise den Platz der Iraner übernehmen könnten.
Die iranische Fußball-Nationalmannschaft spielt in der Vorrundengruppe G und bestreitet ihre ersten zwei Spiele in der US-Metropole Los Angeles – am 15. Juni gegen Neuseeland und am 21. Juni gegen Belgien. Irans drittes Vorrundenspiel gegen Ägypten findet dann am 26. Juni in der US-Metropole Seattle statt. Sollte der Iran die Vorrunde überstehen, dann wäre sogar ein Duell mit dem Team USA möglich. Derzeit bereitet sich das iranische Team im türkischen Antalya auf das Turnier vor.
Die Verantwortlichen sehen nun sogar logistische Vorteile. Taj erklärte, Tijuana liege näher an den Spielorten Irans als das Trainingslager in Arizona. „Die Flugzeit zu unseren beiden Spielen in Los Angeles beträgt nur 55 Minuten. Das ist deutlich kürzer als nach Tucson“, so der Verbandspräsident.
Einige Spieler der iranischen Nationalmannschaft reichten am Donnerstag in der US-Botschaft in Ankara, der nächstgelegenen zum Trainingslager in Antalya, ihre Visaanträge für die Weltmeisterschaft ein. Der Vize-Präsident des iranischen Fußballverbands, Mehdi Mohammed Nabi, hatte am Dienstag erklärt, es sei unklar, ob alle Spieler und Mitglieder des sie begleitenden Stabs US-Visa erhielten. Er habe aber großes Vertrauen in die Verfahrensvorgaben der Fifa.
Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP erklärte derweil die Leiterin des Kino Sports Complex in Arizona, wo der Iran stationiert sein sollte, sie könne den Wechsel nicht bestätigen und verwies alle Fragen an die Organisatoren der Weltmeisterschaft.SID