Zu Fuß wieder im Fahrerlager: Russell. © Mathalone/Imago
Auf den Schultern von Lewis Hamilton: Der erst 19 Jahre alte Kimi Antonelli führt nach seinem Sieg in Kanada die Fahrerwertung mit großem Vorsprung an. © Collyer/dpa
Montréal – Kimi Antonelli hat im Bluthochdruck-Duell mit George Russell auch vom Motorpech seines Mercedes-Teamkollegen profitiert und mit dem vierten Grand-Prix-Sieg in Serie seine WM-Führung auf 43 Punkte ausgebaut. Der 19 Jahre alte Italiener leistete sich erneut einen hitzigen Formel-1-Zweikampf mit Russell, ehe der Silberpfeil des Sprintsiegers von Montréal in Führung liegend stehen blieb.
„Das war nicht die Art, wie ich gewinnen wollte“, funkte Antonelli an die Box: „Es wäre ein guter Kampf gegen George geworden.“ Einmal aus dem Auto, kannte die Freude aber kaum Grenzen. „Den Sieg nehme ich gerne mit.“
Auch sein Stallrivale pflichtete ihm bei: „Großartig, ich habe es geliebt“, kommentierte Russell den Zweikampf mit mehreren Überholmanövern: „Darum geht es im Rennfahren.“ Er hätte ihn nur gern noch 30 Runden länger geführt. Nach einem technischen Defekt hatte er den Nackenschutz wütend auf die Strecke geworfen. Wenig gelang Antonelli Historisches: Die ersten vier Siege nacheinander zu feiern, gelang vorher keinem anderen Piloten.
„Er geht nach vorne, er will jetzt das Team anführen, er lässt Russell keine Luft zum Atmen“, sagte Sky-Experte Ralf Schumacher, „wenn es so weitergeht, haben wir da wirklich einen Nachfolger von Verstappen.“
Zweiter wurde am Sonntag Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari. Der mittlerweile 41-Jährige hatte 2007 in Kanada den ersten seiner 105-Grand-Prix-Siege geschafft und herzte umgehend innig seine Mama, die wie schon bei seinem dritten Platz in China dabei war. „Jetzt endlich hier den richtigen Punkt gefunden zu haben, ist ein unglaubliches Gefühl für mich“, sagte Hamilton.
Dennoch bleibt Mercedes das Maß aller Dinge. Bereits am Sprint-Samstag lieferten sich Russell und Antonelli ein hartes Duell – auf der Strecke und verbal. „Du kannst nicht erwarten, einen Löwen im Wagen zu haben und einen Welpen außerhalb“, beschwichtigte Teamchef Toto Wolff.
Verhindern müssen seine beiden Fahrer Kollisionen und auch, dass die Konkurrenz nicht vom Knallhart-Duell profitiert. „Ich will nicht, dass das zu einer Star-Wars-Schlacht wird“, sagte Wolff. Am Sonntag wurden unweigerlich Erinnerungen wach an das letzte wilde Mercedes-Titelduell zwischen Nico Rosberg und Hamilton.DPA, SID