„Meine Cinderella-Story“

von Redaktion

Zum besten Zeitpunkt kehrt Elias Harris ins Bayern-Team zurück

München – Mitte des Schlussviertels begann für die Basketballer des FC Bayern die Zeit fürs Gemüt. Elias Harris durfte mitmachen. Und der 36-Jährige führte sich gleich prächtig ein, mit einem Dreier. Da war es auch nicht wichtig, dass die Partie in Trier schon längst entschieden war. Mit 99:62 machten die Münchner den Deckel auf eine einseitige Viertelfinalserie. Harris’ Dreier wirkte wie eine Ansage: „Hallo, hier bin ich wieder.“

Der Routinier hatte ja schon Ende der Hauptrunde ein paar Minütchen gesammelt. Doch diesmal fühlte es sich anders an. Dass es vielleicht wirklich so kommen könnte, wie er es selbst erhofft hatte: „Ich habe das Gefühl, dass ich den Jungs helfen kann. Mit meiner Präsenz, meiner Erfahrung.“ Wer weiß, vielleicht könnte Harris ja tatsächlich noch zum Faktor werden. Schon im Halbfinale ab Samstag gegen Bonn oder Würzburg (Spiel fünf am Mittwoch) dürfte die Playoff-Luft dünner werden. Und dann könnte der Energiebringer am Korb vielleicht tatsächlich zum Faktor werden.

Was vor allem für den Routinier selbst fast märchenhafte Züge hätte. Knapp ein Jahr nach dem fürchterlichen Schlag in seinem Bein. Seit im Halbfinale in Heidelberg seine Oberschenkelsehne riss. Seinerzeit war er in Topform, war über Monate ein Leistungsträger. Bis ihm die Verletzung die Veredelung im Finale gegen Ulm nahm. Jetzt könnte es umgekehrt laufen. Nachdem er 74 Spiele zugeschaut hatte, ist er in den heißesten Wochen wieder an Bord. „Vielleicht wird das meine Cinderella-Story“, sagte er.

Das Interessante ist, dass er an diesem Verlauf nie ernsthafte Zweifel hatte. Bei allen Härten einer langen Rehaphase hatte er den Gedanken nie an sich herangelassen, dass dies der Endpunkt seiner langen Karriere gewesen sein konnte, die ihn zeitweilig sogar bis in die NBA geführt hatte (Los Angeles Lakers). Es gab Experten, die ein Comeback für kaum denkbar hielten. Nicht Harris selbst: „Für mich war immer klar, dass ich darüber entscheide, wann Schluss ist“, betonte er, „und dieser Moment ist noch nicht gekommen.“

Dafür hat er täglich gekämpft. Wechselweise im Rehazentrum in Solln und in den Anlagen im BMW Park. Bis die Ärzte gut einen Monat vor dem Ende der Hauptrunde endlich grünes Licht gaben. Vier Wochen lang hat er unter Vollbelastung trainiert, hat sich wieder an die Matchform herangearbeitet. Am vorletzten Hauptrundenspieltag in Ludwigsburg gab dann auch Trainer Svetislav Pesic grünes Licht.

Was für ihn noch möglich ist, im Endspurt dieser Saison, das bleibt abzuwarten. Pesic will nicht zu viel erwarten: „Er hat im Endeffekt das ganze Jahr nicht gespielt.“ Aber Harris könnte zum Energiebringer werden. Zu einem Mann, der den Kollegen in engen Phasen wertvolle Entlastung bringen kann. Vielleicht ja tatsächlich bis hin zum neuerlichen Titel. Das wäre dann weit mehr als eine Zeit fürs Gemüt.RP

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