ZUM TAGE

Wer tut sich das noch an?

von Redaktion

Die Causa Eberl beim FC Bayern

Es gibt in der Geschichte des FC Bayern Bildmotive, die nachwirken. Eines davon ist am Samstag auf der Ehrentribüne des Berliner Olympiastadions entstanden. Uli Hoeneß mit getönter Brille genau hinter dem griesgrämig dreinschauenden Max Eberl – das war schon mehr als sinnbildlich. Eine Unterredung zu jenem Thema, das an diesem eigentlichen Double-Jubeltag tatsächlich jedes Tor von Harry Kane und auch die kollektive Euphorie überstrahlte, hat es in diesem Setting nicht gegeben. Aber die „Big Uli is watching you“-Szenerie war dennoch perfekt. Spoiler: nicht zum Vorteil von Max Eberl.

Auf „60:40“ hatte Hoeneß bekanntlich im „Spiegel“ die Chancen beziffert, dass der Sportvorstand über 2027 hinaus an der Säbener Straße beschäftigt ist. Und weil die Zitate über interne Zweifel am 52-Jährigen zur absoluten Unzeit ein paar Stunden vor Anpfiff des Pokalfinals gegen Stuttgart die Runde machten, schlug der Mechanismus der Branche hart zu. Natürlich nahm Eberl in jenem Moment, der eigentlich für Lobeshymnen auf dieses von (Eberl-Trainer) Vincent Kompany erschaffene Überteam reserviert war, ausführlich Stellung zum Angriff von ganz oben. Bereitwillig, ausführlich, enttäuscht und resigniert. Wer ihm zuhörte, konnte nur zu einem Schluss kommen: Da bereiten sich zwei Seiten auf ein Ende vor. Und die Art und Weise ist nicht schön.

Ob der Zeitpunkt von Hoeneß’ Worten kalkuliert war, spielt dabei längst keine Rolle mehr. Vielmehr fügt sich das Interview in ein größeres Bild, das rund um die Säbener Straße immer klarer gezeichnet wird. Einst Christian Nerlinger, dann Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn: Egal, mit wie viel Vorschusslorbeeren Ex-Spieler als Führungskräfte installiert wurden, geopfert wurden sie alle. Teils aus nachvollziehbaren, teils aus politischen Gründen. Aber unter dem Strich steht, was längst alle potenziellen Kandidaten wissen. Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller: Warum sollte man sich einen Job antun, in dem man es ohnehin nicht richtig machen kann? Gute Bildmotive kann man auch in anderen (und lukrativeren) Funktionen abgeben.

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