Einzelkämpferin mit Herz

von Redaktion

Eva Lys steht in Paris in Runde zwei. © Molter/dpa

Befreundet: Eva Lys (l.) mit Zeynep Sönmez. © Schulz/dpa

Paris – Im roten Hosenanzug posiert Eva Lys lächelnd mit drei Freundinnen für einen Schnappschuss in der lauwarmen Pariser Nacht. Das Besondere an dem Video, das die deutsche Tennisspielerin auf ihren Social-Media-Kanälen postete: Ihre ebenfalls schick gekleideten Begleiterinnen sind nicht nur ihre Freundinnen, sondern auch Konkurrentinnen.

Für Lys schließt das eine das andere nicht aus. „Früher sagte man ja immer, Freundschaften im Sport sind nicht möglich“, kommentierte die Hamburgerin, „aber bei mir war es eigentlich von Tag eins an anders“.

Und so feierte die 24-Jährige kurz vor French-Open-Start mit der Türkin Zeynep Sönmez (23) und der Amerikanerin Iva Jovic (18) den 21. Geburtstag von Alexandra Eala von den Philippinen. Sie alle sind Tennisprofis und in Roland Garros am Start, genau wie US-Star Coco Gauff (22) und die Ukrainerin Marta Kostjuk (23), mit denen Lys ebenfalls sehr gut kann.

Bei den Männern bezeichnen sich die beiden großen Titelrivalen, der Italiener Jannik Sinner (24) und der aktuell verletzte Spanier Carlos Alcaraz (23), ebenfalls als Freunde. So etwas hätte es bei John McEnroe und Björn Borg oder Boris Becker und Stefan Edberg nicht gegeben. „Zu unserer Zeit waren wir keine Freunde“, sagte Becker: „Das gab es eigentlich nicht.“ Doch die Zeiten haben sich geändert. „Wir sind eine Generation, wo das möglich ist“, erklärte Lys.

Die Australian-Open-Achtelfinalistin des Vorjahres postet im Internet auch regelmäßig Videos und Bilder von gemeinsamen Treffen. So wie von Ealas Geburtstag, als die Freundinnen das Geburtstagskind sogar mit einem Kuchen überrascht hatten. Eala fand das „süß“ und schwärmte: „Jede einzelne von ihnen ist so eine gute Freundin von mir. Ich weiß nicht, wie ich die Tour ohne diese Freundschaften überleben würde.“

Diese Beziehungen seien „auf jeden Fall nicht oberflächlich“, betonte Lys, die ihr Auftaktmatch in Paris gegen die Kroatin Petra Marcinko in zwei Sätzen gewann. „Das sind einfach Mädels, die haben denselben Alltag, die erleben genau dasselbe, die fühlen genau das Gleiche auf dem Platz.“

Wenn es aber zu einem direkten Duell kommt – so wie am Dienstag zwischen Jovic und Eala – dann werden laut Lys keinerlei Geschenke verteilt. Sie wäre auch nicht sauer, wenn dann mit harten Bandagen gekämpft werden würde. „Wenn wir zusammen essen und ich irgendwas Privates teile und die das irgendwie nutzen, um am nächsten Tag gegen mich zu gewinnen, dann haben sie es verdient“, meinte die Hamburgerin.

So lange der Respekt gewahrt bleibe, werde die Freundschaft darunter nie leiden, so Lys. „Ich kann das relativ gut unterscheiden und bin deswegen auch mit den Mädels befreundet, die das auch können.“ Solange es geht, werde sie an diesen Beziehungen festhalten. „Das macht einfach, glaube ich, die Karriere ein bisschen schöner“, sagte sie.

Für eine Sensation sorgte indes Jan-Lennard Struff. Der 36-jährige deutsche Dauerbrenner aus Warstein rannte bei über 35 Grad im Schatten jedem Ball hinterher, ließ sich nicht unterkriegen und jubelte am Ende über einen überraschenden 7:5, 6:7 (6:8), 6:4, 7:5-Erfolg gegen Top-Ten-Profi Alexander Bublik aus Kasachstan.SID

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