„Die Kritik ist ungerecht!“

von Redaktion

DFB-Sportchef Völler fordert bessere Stimmung und verteidigt Nagelsmann

Eine Lanze für Julian: Völler stellte sich demonstrativ hinter seinen Bundestrainer. © Gambarini/dpa

Herzogenaurach – Die heiße Phase ist eingeläutet: Am Mittwoch startete der DFB offiziell in die WM-Vorbereitung. Bis zum Mittag trafen 25 der 26 nominierten Spieler in Herzogenaurach ein, einzig Kai Havertz stößt erst nach dem Champions-League-Finale am Samstag (18 Uhr, ZDF) zum DFB-Tross.

In den nächsten zwei Wochen muss Julian Nagelsmann nun ein Rezept finden, um die Mannschaft in WM-Form zu bringen – und hat dabei noch einige Baustellen zu klären: Der Platz neben Aleksandar Pavlović auf der Doppelsechs ist offen, außerdem ist unklar, wie die Offensive aufgestellt wird. Wer ersetzt den abwesenden Havertz beim Testspiel am Sonntag (20.45 Uhr, ZDF) – Nick Woltemade oder Deniz Undav? Und soll über die rechte Offensivseite eher Tempo durch Jamie Leweling oder Leroy Sané kommen – oder ein spielstarker Akteur wie Havertz oder womöglich sogar Lennart Karl für frischen Offensivwind sorgen?

Bevor der Bundestrainer all diese Fragen angeht, muss er aber noch das größte Problem lösen: die fehlende Vorfreude in ganz Deutschland. Rudi Völler kritisierte die Stimmungslage auf der Pressekonferenz am Mittwoch: „Ich bin ehrlich, ich fand es teilweise ungerecht, weil wir uns in den letzten Spielen schon verbessert haben. Ich habe gehofft, dass die WM-Stimmung aufkommt, aber noch ist ein bisschen Zeit“, sagte der Sportdirektor. Debatten wie zuletzt über die Kadernominierung oder Nagelsmanns Kommunikation seien dabei nicht hilfreich.

Völler stellte sich daher demonstrativ hinter den Bundestrainer: „Julian trifft Entscheidungen nur aus sportlicher Sicht und danach, was für die Mannschaft am besten ist“, erklärte er. „Es zählt nur, wie wir am erfolgreichsten sein können. Wenn es Gegenwind gibt, bin ich auch noch da.“

Dabei gab Völler auch Einblicke in Nagelsmanns Auftritt im Sportstudio vor anderthalb Wochen, der von vielen Seiten als unglücklich kritisiert wurde, da er dort alle Fragen zu Manuel Neuer unbeantwortet ließ: „Man kann es nicht allen recht machen. Kommunikativ hört sich das manchmal holprig an. Der Auftritt im Sportstudio war eine schwierige Situation, weil er nichts sagen konnte“, so Völler. „Er hätte auch absagen können – das hat er aber nicht. Stattdessen stellte er sich der Situation.“

Gleichzeitig dämpfte der Sportdirektor aber die Erwartungshaltung vor dem Turnier: „Wir gehören nicht zu den absoluten Top-Favoriten, da gibt es drei, vier andere. Ich bin aber überzeugt, dass es schwer sein wird, gegen uns zu gewinnen“, sagte Völler und gab die Marschroute vor: „Wir wollen natürlich Gruppensieger werden. Und dann wird man sehen, was passiert. Eine Vorgabe gibt es aber nicht.“

Am Donnerstag, Freitag und Samstag stehen für Nagelsmann nun drei Trainingstage an, um sein Team auf den Test gegen Finnland vorzubereiten. Dieser soll laut dem Bundestrainer vor allem dafür genutzt werden, die erste Elf einzuspielen: „Wir wollen eine Mannschaft sehen, die so im Turnier auch beginnen kann“, erklärte der Bundestrainer. Gleichzeitig sei seine Aufstellung aber „noch nicht in Stein gemeiselt“.

Freitagabends findet dann für die Spieler noch ein Abschiedsevent mit ihren Frauen und Familien statt, bevor am Dienstag der Flieger in die USA abhebt – im besten Fall mit einem Sieg gegen Finnland im Gepäck.V. TSCHIRPKE, P. KESSLER

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