Eis auf dem Kopf: Martha Kostjuk. © Cholewinski/DPA
Die Fans nutzen die Abkühlung. © Morissard/DPA
Paris – Der vielleicht größte Gegner bei den French Open in Paris ist für die Tennisprofis die brutale Hitze. „Es brät halt immer weiter“, sagte Laura Siegemund. Und Eva Lys verriet: „Ich habe mir im Kopf immer gesagt: Du wirst nicht diejenige sein, die wegkippt. Aber von rechts nach links laufen – man schwitzt sich da einen ab.“
De Szenen blieben nicht aus. Jakub Mensik hatte bei den French Open sein Marathon-Match über 4:41 Stunden gegen den Argentinier Mariano Navone gewonnen, da sackte der Tscheche auf dem Platz in sich zusammen. Offensichtlich von Krämpfen geschüttelt, gab der 20 Jahre alte Tennisspieler mit der Hand Zeichen, dass er Hilfe benötigt.
Aus Sorge um seinen Schützling wollte der Trainer zu ihm eilen, doch er durfte nicht. Stattdessen kamen irgendwann Helfer und Sanitäter, die Mensik untersuchten und ihn mit Eiswürfelbeuteln zu kühlen versuchten. Nach ein paar Minuten konnte Mensik mit Hilfe auch wieder aufstehen.
Seit dem Auftakttag am vergangenen Sonntag gibt es beim Grand-Slam-Turnier Sonne pur und Temperaturen um oder über 30 Grad, am Himmel ist kaum eine Wolke zu sehen. Selbst langjährige Begleiter des Sandplatz-Events können sich an ein solch konstant heißes Wetter im Mai nicht erinnern.
Alexander Zverev freut es: „Ich liebe Hitze.“ Andere Tennisprofis stöhnen darüber – so wie Daniil Medwedew. Bei der Erstrunden-Pleite des Russen musste seine Frau ihn während des Matches Medienberichten zufolge sogar maßregeln: „Es ist für alle heiß. Alle leiden. Du musst dich benehmen.“
Auch viele Besucher, Linienrichter und Ballkinder leiden unter den Bedingungen. Die Partie von Andrej Rubljow gegen Ignacio Buse musste kurz unterbrochen werden, weil ein Ballmädchen wackelig auf den Beinen war und beinahe ohnmächtig geworden wäre.
Und die Profis? Der Kanadier Gabriel Diallo gab wegen der extremen Hitze in der ersten Runde auf. „Es wurde schlimmer und schlimmer“, klagte er. Manche nahmen eine medizinische Auszeit. Die meisten legen sich in den Matchpausen nasse Handtücher in den Nacken und große Eiswürfelbeutel auf den Kopf. Schatten spendet währenddessen der von Ballkindern gehaltene Sonnenschirm. US-Star Coco Gauff legt gar ihre Ersatzschläger in die Kühlbox neben der Bank.
Doch all das hilft nur bedingt. „Man kann von der Bank kommen und merkt plötzlich, dass die Konzentration nachlässt“, sagte die gebürtige Russin Daria Kasatkina.
„Man muss unglaublich viel auf die Ernährung achten, wie viel man trinkt, dass man Salz und Elektrolyte zu sich nimmt“, berichtete Lys: „Ich glaube, alles, was man trinkt, schwitzt man wieder aus.“ Die heftige Sonneneinstrahlung ist auch spielerisch ein Problem für die Profis. Die Organisatoren haben eine Richtlinie für extreme Wetterbedingungen eingeführt. Diese orientiert sich an der Wet Bulb Globe Temperature (WBGT), die zur Bestimmung der Hitzebelastung für den menschlichen Körper herangezogen wird. Auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind werden berücksichtigt.
Steigt der WBGT-Wert über 30,1 Grad, können die Profis an bestimmten Zeitpunkten zehnminütige Kühlpausen beantragen. Bei über 32,2 Grad soll es verpflichtende Unterbrechungen geben.DPA