Wettrennen gegen die Zeit

von Redaktion

Schicksalstag 3. Juni rückt näher – 1860 hofft auf die Rettung

Notgeschäftsführer Manfred Paula kann keine Gehälter mehr zahlen. © Wagner/Imago

Der TSV 1860 München einmal mehr nur ein Scherbenhaufen.

München – Tick, tack – die Löwenuhr tickt erbarmungslos. Bis zum 3. Juni um 17 Uhr muss der TSV 1860 München 2,7 Millionen Euro auftreiben, um vom Deutschen Fußball-Bund die Drittliga-Lizenz zu erhalten. Ansonsten droht wie 2017 der Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern. Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik ist anders als in den Vorjahren nicht gewillt, das strukturelle Defizit in der KGaA auszugleichen. Unsere Zeitung klärt auf.

■ Wie kommen die 2,7 Millionen Euro zusammen?

Zum einen hatte der Aufsichtsrat im Sommer 2025 das Budget deutlich erhöht, um Transfers wie den von Torjäger Haugen überhaupt erst möglich zu machen. Die Abstimmung im Aufsichtsrat hatte 3:3 geendet, als Vorsitzender konnte der Ismaik-Vertraute Saki Stimoniaris die Entscheidung pro Erhöhung treffen. Hinterher freuten sich beide Parteien über den Kader. Hinzu kommen laufende Personalkosten Ex-Angestellter: Trainer Patrick Glöckner wurde im September 2025 gefeuert, hatte allerdings noch bis Saisonende Vertrag. Auch die beiden (ohne Ismaiks Zustimmung) eingestellten Geschäftsführer Oliver Mueller und Christian Werner kosten ordentlich Geld. Mit Mueller läuft ein Rechtsstreit über die Höhe der Entschädigung, Werners Vertrag läuft sogar noch bis Sommer 2027.

■ Hat sich das Drama angebahnt?

Jein. Dass Ismaik den Etat anders als im Vorjahr nicht anheben würde, war absehbar. Auch die Nicht-Verlängerungen der Verträge von Besserverdienern wie Thore Jacobsen und Jesper Verlaat machten das in den vergangenen Wochen deutlich. Dass er jedoch das Defizit nicht ausgleichen wird und obendrein den Darlehensvertrag einseitig kündigt, kam überraschend.

■ Was macht 1860 ohne HAM?

Paula sei inzwischen „Notgeschäftsführer“, wie die „SZ“ berichtet: „Wir können aufgrund der Kündigung und der aufgestellten Forderungen nicht mehr von einer Durchfinanzierung ausgehen und wechseln vorsorglich in die Notgeschäftsführung. Wir können bis auf Weiteres keine Zahlungen leisten, auch keine Gehaltszahlungen.“ Auf Paulas Agenda dürften statt Neuverpflichtungen nun Spielerverkäufe stehen. In den vergangenen Tagen weilte der Löwen-Geschäftsführer nach tz-Informationen nicht in Giesing, sondern auf der griechischen Urlaubsinsel Kreta.

■ Welche Forderung stellt Ismaik?

Beim Zwangsabstieg 2017 koppelte Ismaik seine Zahlungen an Forderungen, die nicht erfüllt wurden. Und auch dieses Mal stellt der Jordanier Geld in Aussicht, allerdings nur bei Erfüllung seiner Bedingungen. Unter anderem soll der Mutterverein der Löwen auf sein Vorkaufsrecht verzichten, sollte es zu einem Anteilsverkauf kommen.

■ Blufft Ismaik?

Der Jordanier dürfte angesichts seiner Verkaufsabsichten eigentlich kein Interesse an einem Abstieg der Löwen haben. Was zudem nicht ins Bild passt, ist die Eröffnung eines neuen Fanshops am Flughafen. Am 6. Juni soll im kleinen Kreis die Eröffnung stattfinden. Nach tz-Informationen trotz der aktuell so dynamischen Lage rund um 1860.

■ Was sagen die Protagonisten?

Am späten Dienstagabend erklärte der e. V. in einer Pressemitteilung: „Wir gehen davon aus, dass der Liquiditätsnachweis gegenüber dem DFB rechtzeitig erbracht wird. Die Gespräche hierzu dauern an.“ Und um 22:13 Uhr am Mittwochabend gab es dann tatsächlich eine Reaktion aus Abu Dhabi. Ismaik schrieb unserer Teitung per WhatsApp unter anderem: „Seit fünfzehn Jahren habe ich den Verein mit nahezu achtzig Millionen Euro unterstützt. Die derzeitige Situation kann so nicht weitergehen. Der Verein braucht mehr als eine neue Finanzierung. Er braucht eine echte Restrukturierung.“

Ismaik erklärte weiter: „Wir haben aber auch ein neues Finanzierungsmodell mit besseren Konditionen als zuvor vorgelegt, zinslos und mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung, die darauf abzielt, den Verein zu schützen und seinen Verbleib in der Dritten Liga sicherzustellen. Diese Unterstützung muss jedoch an Transparenz und finanzielle Disziplin gebunden sein. Wir haben außerdem zusätzliche Lösungen vorgelegt, die verhindern würden, dass der Verein in die Insolvenz fällt. Beide Finanzierungsalternativen erfordern lediglich noch die Zustimmung des e.V..“

Der Jordanier betonte vielsagend: „Das Problem kann nicht weiter von einer Saison zur nächsten allein durch neue Darlehen aufgeschoben werden. Manchmal ist es notwendig, einen Schritt zurückzugehen, um eine solide und stabile Zukunft aufzubauen. Entscheidend ist nicht, in welcher Liga wir heute spielen, sondern dass wir einen Verein aufbauen, der in der Lage ist, stark zurückzukehren und über viele Jahre hinweg fortzubestehen.“ Zum Schluss folgte das obligatorische „Einmal Löwe, immer Löwe“.MARCO BLANCO UCLES

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