Der Meister und sein Star: Svetislav Pesic. © IMAGO
Feiern noch verboten: Obst im Viertelfnale. © IMAGO
München – Andi Obst ist in letzter Zeit im Land ja allgegenwärtig. Für die Werbekampagne einer Supermarktkette geistert der Star der Basketballer des FC Bayern mit Comedian Hape Kerkeling durch die Frischeabteilung. Um das schöne Bild perfekt zu machen, nennt sich Kerkeling dabei natürlich G.Müse – Obst und G.Müse auf Einkaufstour eben. Einziger Schönheitsfehler.: Obst trägt in der Werbung das Nationaltrikot, der Supermarkt-Partner seines FC Bayern ist ein anderer.
Ansonsten würde die Dauer-Präsenz des Welt- und Europameisters ja ganz gut passen. Die deutsche Basketballmeisterschaft geht in die entscheidende Phase. Am Samstag (14.30 Uhr) steigt Titelverteidiger FC Bayern gegen die Baskets Bonn ins Halbfinale. Und die Augen richten sich auf: Andi Obst.
Klar: Andi Obst ist die Qualitätsgarantie in den Münchner Reihen. Und das bei weitem nicht nur wegen seiner bekannten Treffsicherheit, wie auch sein Trainer Svetislav Pesic betont. „Alle sehen nur, wenn er einen Dreier wirft und trifft. Dann hat er gut gespielt“, sagte er, „aber Obst hat auch andere Qualitäten, wie in der Defensive.“
Und vor allem ist Obst der Unverwüstliche. Gewiefte Statistiker haben nachgezählt, dass der 29-Jährige in den vergangenen fünf Jahren rund 500 Spiele absolviert hat. Mit BBL, Euroleague und Nationalmannschaft zusammengenommen.
In der laufenden Saison stehen auch schon wieder 68 Einsätze in der Statistik. Einmal fehlte er krank, ein paar Mal ließ ihn Pesic sicherheitshalber außen vor. Ansonsten war er gefragt bis zum Anschlag. Einsatzzeiten von 25 Minuten sind die Regel. Immerhin: Mittlerweile hat er es zum Spitzenverdiener seines Teams gebracht. Irgendwo zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro soll er jährlich einstreichen. Er selbst will am Spielemarathon nichts Ungewöhnliches finden. „Ich fühle mich gut“, sagte er, „alles in Ordnung.“
Es gibt viele Erklärungsansätze, wie es denn sein kann, dass Obst sein Pensum weitgehend verletzungsfrei übersteht. Ist es pure Genetik? Sein ökonomischer, auf Bewegung ohne Ball basierender Spielstil? Oder ist Obst doch vor allem der Super-Profi. Aus dem Innenleben der Bayern ist zu hören, dass wenige Spieler derart professionell arbeiten wie der gebürtige Hallenser. Er ist regelmäßiger Gast im Kraftraum, achtet peinlich auf angemessene Regeneration mit Eisbad nach den Spielen, Physiotherapie sowie ausreichend Schlaf und profigerechte Ernährung.
Mindestens sechs Spiele lang soll das in den nächsten Wochen weiter so funktionieren, sechs Siege brauchen die Bayern bekanntlich noch, um die dritte Meisterschaft in Serie einzutüten. Wobei der Rhythmus in diesen Tagen für Obst&Co. fast beschaulich ist. Seit dem dritten Viertelfinale in Trier ist schon fast wieder eine Woche vergangen. Was für ein Unterschied zu Gegner Bonn, der sich gegen die Würzburg Baskets bis Mittwochabend über fünf Spiele schuftete. „Das ist ein bisschen seltsam“, sagt Obst, „aber die Saison war lang, viele Spiele, viele Reisen – es ist mal ganz gut so.“
Wobei danach ja eine ungewöhnlich ruhige Phase wartet. In diesem Sommer steht kein Großereignis an, sondern einfach Urlaub. Doch soweit will Andi Obst im Moment noch nicht denken.PATRICK REICHELT