Verstappen weiß um seinen Einfluss. © Thompson/AFP
Montreal – Trotz seines dritten Platzes beim GP von Kanada stehen die Zeichen bei Max Verstappen auf Abschied aus der Formel 1. Der Niederländer legte sich in Montreal zwar noch nicht klar fest, doch zwischen den Zeilen konnten Kenner des Superstars herauslesen, dass er 2027 kaum noch Lust verspürt, in der Königsklasse zu bleiben.
Das Fahren mit den neuen Motorregeln wäre für ihn eine Qual. „So weiterzumachen, ist für mich mental einfach nicht machbar“, sagte er. „Wirklich nicht.“
Dass ausgerechnet Verstappen diese Debatte nun so offensiv führt, ist kein Zufall. Der Weltmeister gilt seit Jahren als einer der letzten Fahrer im Feld, der den Motorsport noch aus einer fast romantischen Perspektive betrachtet. Nicht Strategieprogramme, Batteriemanagement oder komplizierte Software faszinieren ihn – sondern das rohe Gefühl, ein Auto am absoluten Limit zu bewegen.
„Die 24 Stunden am Nürburgring haben mir gezeigt, wie faszinierend Motorsport immer noch sein kann“, brachte der Niederländer mit breitem Grinsen ein Beispiel dafür, was er vom Rennfahren erwartet.
Besonders brisant: Verstappen steht mit seiner Kritik längst nicht mehr allein da. Hinter vorgehaltener Hand teilen viele Fahrer seine Sorgen. Die neuen Regeln gelten zwar als technologisch beeindruckend und politisch wichtig, weil sie die Formel 1 nachhaltiger machen sollen. Gleichzeitig wächst die Angst, dass der Sport dabei einen Teil seiner eigentlichen Identität verliert.
Dabei zeigt das Paradox der neuen Generation bereits Wirkung. Einerseits sorgen die Autos tatsächlich für engere Zweikämpfe und spektakuläre Überholmanöver. Andererseits entsteht immer häufiger der Eindruck, dass die Fahrer dabei ständig gegen elektronische Limits arbeiten müssen.
Die kommenden Wochen dürften deshalb entscheidend werden. Gelingt es FIA und Herstellern, die Regeln noch einmal zu entschärfen, könnte die Formel 1 ihre Stars besänftigen.RALF BACH