Lässt Nagelsmann Karl von der Leine?

von Redaktion

Karl will sich auch beim DFB durchsetzen. © Rahn/Imago

Herzogenaurach – Das Lob war unüberhörbar: Immer wieder bekam Lennart Karl bei der ersten Trainingseinheit der Nationalmannschaft am Donnerstagvormittag lautstarke Zurufe, der 18-Jährige glänzte im Abschlussspiel der Einheit mit mehreren Ballgewinnen und Dribblings. Dabei hoben seine Mitspieler und das Trainerteam aber nicht nur die fußballerischen Qualitäten hervor, sondern vor allem Karls Mut: Das Münchner Talent spielte, als würde es gerade mit Freunden auf dem Bolzplatz kicken – und sich nicht mit der Nationalmannschaft auf das wichtigste Sportereignis der Welt vorbereiten.

Doch woher kommt Karls Fähigkeit, sowohl beim FC Bayern als auch beim DFB derart unbekümmert loszulegen? Einer, der es wissen muss, ist Jonathan Tah. Der Innenverteidiger begleitete Karls Debütsaison bei den Münchnern und hat nun auch in der Nationalelf ein Auge auf ihn: „Er ist nicht der extrovertierteste Typ, auch wenn seine Outfits manchmal so aussehen“, sagte Tah am Donnerstag mit einem Schmunzeln. „Von seiner Persönlichkeit her ist er nicht so. Deswegen ist es wichtig, ihn an die Hand zu nehmen und ihn vielleicht mal zum Kaffeetrinken mitzunehmen. Kommunikation ist sehr wichtig. Da legen wir seit Jahren und vor allem unter Julian Nagelsmann einen großen Fokus drauf.“ Der Trainer selbst zeigt sich begeistert von Karl: „Der Auftakt war außergewöhnlich gut. Er hat sehr schnell einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.“

Besonders gut gefällt ihm seine Flexibilität: „Er hat große Stärken, sowohl wenn er zentral spielt als auch auf dem Flügel. Wenn er zentral spielt, hat er kürzere Wege zum Tor“, so der Bundestrainer. „Beide Positionen kann er sehr gut spielen. Je nach Spielsituation kann man ihn auf beiden Positionen gut bringen.“

Konkurrenz auf dem rechten Flügel hat Karl ironischerweise von Leroy Sané, den er beim FC Bayern quasi als Nachwuchslösung eins zu eins ersetzte. Sané, inzwischen bei Galatasaray Istanbul, wird in der Öffentlichkeit oft kritisiert, hat in der Mannschaft aber ein hervorragendes Standing: „Niemand in der Mannschaft denkt schlecht über Leroy – im Gegenteil: Er ist ein überragender Fußballer und hat ein gutes Herz. Das spürt jeder“, schwärmte Tah. „Seine Lache ist extrem laut und sorgt für eine positive Atmosphäre.“

Weitere Optionen auf dem rechten Flügel wären Jamie Leweling oder Maxi Beier. Wen Nagelsmann bevorzugt, zeigt sich am Sonntag: Dann testet die DFB-Elf in Mainz gegen Finnland (20.45 Uhr, ZDF), wo der Bundestrainer seine WM-Elf sich einspielen lassen will.V. TSCHIRPKE, M. BONKE

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