Die aktive Fanszene hat eine klare Meinung. © Simon/Imago
Damals wurde noch gegrinst: Präsident Gernot Mang im Jahr 2025 mit Hasan Ismaik. © Wagner/Imago
München – Manchmal bedarf es keiner vielen Worte, um mit einer Nachricht Sprengkraft zu entfachen. Bestes Beispiel in der 1860-Geschichte: 2017 kämpften die Löwen nach dem Zweitliga-Abstieg um die Lizenz in der 3. Liga. Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik stellte mehrere Forderungen an den Verein, um das notwendige Geld zu überweisen. Sie blieben unerfüllt. Minuten vor dem Ablauf der Frist des DFB verschickte der Jordanier eine WhatsApp an Journalisten. Der Inhalt: „4“. Damit kündigte Ismaik den Zwangsabstieg der Sechzger in die Regionalliga Bayern an. Die WhatsApp-Nachricht, die am Mittwochabend um 22.13 Uhr die tz erreichte, könnte dasselbe Horror-Szenario einläuten.
Anstelle einer Ziffer enthielt die Message Ismaiks dieses Mal 550 Wörter. Nachdem der 48-Jährige auf seine bisherige Löwenzeit zurückblickte – „Nahezu 80 Millionen Euro in 15 Jahren, Erwartungen nicht erfüllt“ –, machte er unmissverständlich klar: „Die derzeitige Situation kann so nicht weitergehen.“ Der Jordanier bestätigte, seine Darlehensverträge gekündigt zu haben, da „wichtige Verpflichtungen unter den Darlehensverträgen nicht eingehalten wurden“. Welche genau, erwähnte Ismaik nicht.
Eine Lösung sei von seiner Seite aus paratgestellt. Ein neues Finanzierungsmodell, mit „besseren Konditionen als zuvor, zinslos und mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung.“ Dieses ziele darauf ab, den Verein zu schützen und seinen Verbleib in der Dritten Liga sicherzustellen. Zur Erinnerung: Die Löwen müssen bis zum 3. Juni (17 Uhr) 2,7 Millionen Euro aufbringen, um die Lizenz für die 3. Liga beim DFB einzureichen.
Ismaiks Sätze klingen nach einer ausgestreckten Hand in Richtung des Clubs. Doch dann folgte der entscheidende Knackpunkt: „Diese Unterstützung muss jedoch an Transparenz und finanzielle Disziplin gebunden sein, damit wir sicherstellen können, dass die Mittel ordnungsgemäß verwendet werden.“ Hier kommen die mittlerweile berühmt berüchtigten sieben Bedingungen Ismaiks für eine Weiterfinanzierung ins Spiel.
Vier der Punkte erscheinen auf den ersten Blick unproblematisch: 1. Ordnungsgemäße Finanzberichterstattung und Aufbau eines Finanzberichterstattungssystems bis zum 30. September 2026. 2. Beauftragung eines externen Finanzexperten bis zum 30. Juni 2026. 3. Ausgabebeschränkungen zur Gewährleistung einer strikten Zweckbindung neuer Mittel. 4. Umstrukturierung der KGaA bis zum 31. Oktober 2026 auf der Grundlage eines vereinbarten Umstrukturierungsplans, der bis zum 30. Juni 2026 fertiggestellt werden soll.
Auf die drei übrigen Forderungen muss gesondert geschaut werden. Da wäre zum einen der „Verzicht auf Herabwürdigung“. Was Ismaik damit genau meint, beschrieb er nicht. Die viel diskutierte Ismaik-Fahne in der Kurve könnte den Jordanier verständlicherweise stören, ist jedoch juristisch gesehen durch die Meinungsfreiheit gedeckt.
Die „strikte Einhaltung des genehmigten Budgets“ irritiert im ersten Moment etwas. Schließlich war die Etat-Erhöhung im vergangenen Sommer durch den Ismaik-Vertrauten Saki Stimoniaris durchgedrückt worden. Gut möglich ist aber auch, dass der Jordanier explizit Ausgaben außerhalb des durch den Aufsichtsrat festgelegten Rahmen meint.
Die umstritteneForderung ist von Ismaik laut der „SZ“ inzwischen zurückgezogen worden: Ismaik forderte vom e. V., dass er im Rahmen eines Verkaufs von Ismaiks Anteilen auf sein Vorkaufsrecht verzichtet hätte. Bedeutet, dass der e. V. kein Vetorecht mehr gehabt hätte, wenn Ismaik einen Käufer seiner Anteile findet. Egal, wie seriös oder unseriös (Grüße in die Schweiz). Schwer vorstellbar, dass der Verein dem zugestimmt hätte.
Geht keine der beiden Seiten auf den Gegenpart zu, ist der TSV 1860 am Mittwochnachmittag kommender Woche Regionalligist – der Super-GAU. Ismaik machte zwischen den Zeilen klar, dass diese Option für ihn eine Möglichkeit darstellt: „Manchmal ist es notwendig, einen Schritt zurückzugehen, um eine solide und stabile Zukunft aufzubauen. Entscheidend ist nicht, in welcher Liga wir heute spielen, sondern dass wir einen Verein aufbauen, der in der Lage ist, stark zurückzukehren und über viele Jahre hinweg fortzubestehen.“
Und 1860-Präsident Gernot Mang? Der lehnte auf der Ehrung der Meisterlöwen (genauso wie Verwaltungsrat Sebastian Seeböck) ein persönliches Gespräch mit den Medienvertretern ab, erklärte jedoch in seiner Rede: „1860 gehört nicht in die 3. Liga – und schon gar nicht in die 4. Liga!“ Zudem meinte der Österreicher: „Es tut weh, wenn wir in Teilen der Presse als Chaosverein dargestellt werden.“ Verständlich: Fünf Tage vor dem Ende der Frist ohne Lizenzierung dazustehen – viel unchaotischer geht es wohl nicht.MARCO BLANCO UCLES