Erinnern Sie sich noch an Goleo, den zotteligen Löwen ohne Hose? Das Maskottchen der Fußball-WM in Deutschland 2006 erntete damals viel Spott und Häme. Doch trotz des unliebsamen Plüschtiers, dem Franz Beckenbauer bei „Wetten, dass…?“ wegen seiner Mähne eine Ähnlichkeit mit Thomas Gottschalk attestierte, war die Sommermärchen-WM magisch.
Scheinbar hat die Fifa aus ihren Fehlern gelernt: Die Glücksbringer dieser WM haben Hosen an. Es sind gleich drei, einer für jedes Gastgeberland. Elch Maple, der widerstandsfähige Torwart für Kanada; Jaguar Zayu, der stolze Stürmer für Mexiko; und Weißkopfseeadler Clutch, der mutige Mittelfeldspieler, für die USA. Da haben sich die Designer tatsächlich etwas dabei gedacht. Zumindest finde ich die drei weniger klischeehaft als die grüne Jalapeño-Chilischote mit Sombrero, die bei der WM 1986 die feurige Leidenschaft Mexikos vermitteln sollte. Etwas zu behäbig für meinen Geschmack rollte die Orange Naranjita an, die zur WM in Spanien 1984 aus dem Hut gezaubert wurde.
Das amtierende Trio Maple, Zayu und Clutch soll Einheit, Vielfalt und die gemeinsame Begeisterung für Fußball in die Welt hinaustragen und Geld in die Kassen spülen. Zum ersten Mal in der WM-Geschichte werden die Maskottchen in Videospielen erscheinen. Goleo spielte im Musikvideo zum Song „Love Generation“ von Bob Sinclair mit.
An Goleos Stelle trat ein Bär. Der Bär tanzte und winkte nicht – und er war nicht Teil des Spiels. Und doch wurde er während der WM zum haarigen Helden der Nation hochstilisiert. Problembär Bruno riss Schafe, verputzte Hühner und hatte keine Angst vor Menschen. Ende Juni wurde er zum Abschuss freigegeben. Die Volksseele kochte. Brunos Jäger erhielten Morddrohungen. Die Welt zu Gast bei Freunden.