Arsenal-Legende Jens Lehmann. © Simon/Imago
Showtime! Am Samstag (18 Uhr, DAZN und ZDF) kämpfen Arsenal und Titelverteidiger Paris Saint-Germain in Budapest um den begehrten Henkelpott der Champions League. Torwart-Legende Jens Lehmann drückt vor Ort seinen Gunners die Daumen. Unser Interview.
Arsenal ist in dieser Champions-League-Saison noch ungeschlagen. Warum bleibt es dabei?
Erstens aufgrund der Serie. Da gibt es Parallelen zu uns, als wir 2006 im Finale waren. Und zweitens, weil sie aus meiner Sicht auch eine bessere Abwehr haben als Paris.
Wie kann Paris Saint-Germain gefährlich werden?
Durch ihre Schnelligkeit. Und sie sind taktisch sehr flexibel. Deswegen haben sie auch gegen Bayern im Halbfinale gewonnen. Sie waren eben ein bisschen schlauer.
Wo hat der FC Bayern im Vergleich zu den Finalisten noch Luft nach oben?
Beim Verteidigen. Die anderen können besser verteidigen. Gegen Paris hat Bayern im Hin- und Rückspiel die gleichen Fehler gemacht. Bei der neuen Generation an Spielertypen bin ich ohnehin skeptisch – weil die nicht miteinander reden. Außerdem muss man auf dem Fußballplatz schnell denken. Es gibt aber kaum Trainer, die ihnen das beibringen können. Wobei ich von Kompany sehr viel halte. Dieselben Probleme sieht man auch in der deutschen Nationalmannschaft, wenn es drauf ankommt.
Arsenal hat zum ersten Mal seit Ihrer Jahrhundert-Mannschaft 2004 die Premier League gewonnen. Ist das Image des ewigen Zweiten damit vorbei?
Das können wir so sagen. Auch Jürgen Klopp hat als Trainer einige Zeit lang nichts gewonnen, und nach seiner ersten Meisterschaft mit Dortmund eine Menge. Ewiger Zweiter – das ist bei Arsenal vorbei. Das nimmt eine Menge Druck von ihnen, auch für das Champions-League-Finale. Wenn sie nicht Meister geworden wären, dann hätten sie das Endspiel unbedingt gewinnen müssen.
Wie wichtig ist Kai Havertz für die Gunners?
Wenn er mal einen Rhythmus hat und richtig fit ist, dann ist er ein super Spieler und sehr wichtig. Am 37. Spieltag gegen Burnley ist er in die Startaufstellung gerutscht und hat das Meister-Tor gemacht. Daran sieht man, dass ihm der Trainer in Hinblick auf wichtige Treffer etwas mehr vertraut als Gyökeres.
Bei PSG glänzt vor allem Khvicha Kvaratskhelia in dieser Saison.
Er ist auch ein toller Spieler. Sollte Paris das Champions-League-Finale gewinnen, ist er sicher einer der Favoriten auf den Ballon d’Or. Er vereint Kraft mit Technik und Abschlussstärke.
2006 haben Sie das Champions-League-Finale mit Arsenal gegen den FC Barcelona unglücklich mit 1:2 verloren. Sie wurden bereits in der 18. Minute vom Platz gestellt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Diese Champions-League-Saison war gut für uns. Wir sind zum ersten Mal überhaupt ins Finale gekommen. Im ganzen Wettbewerb haben wir bis zum Endspiel nur zwei Gegentore bekommen und kein Spiel verloren. Das war außergewöhnlich. Aber wenn man im Finale verliert, ist es immer traurig. Wenn man da auch vom Platz fliegt, ist es doppelt enttäuschend. Mit VAR wäre es vielleicht anders gewesen. Wichtig ist am Ende immer die Show, niemand wollte ein Elf-gegen-Zehn in so einem Finale sehen. Danach wurde auch niemand mehr in der Hauptzeit eines Finales vom Platz gestellt. Als Fußballer spielt man nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für die Fans. Die sind noch immer enttäuscht, dass es damals nicht mit dem Sieg geklappt hat. Deswegen hoffe ich, dass Arsenal dieses Mal den Titel holt.
INTERVIEW: PHILIPP KESSLER