K. o. oder Wende?

von Redaktion

Zum 15. 1860-Jubiläum: Hasan Ismaik zieht wichtige Forderung überraschend zurück

Lässt sich den Stress nicht anmerken: 1860-Präsident Gernot Mang. © Wagner/Imago

Der Anfang einer besonderen „Ehe“: Ismaik 2011 mit dem verstorbenen Ex-Präsidenten Schneider. © imago

München – Jubiläen in der Berufswelt sind oft ein schöner Anlass, um auf das Geleistete zurückzublicken. Nicht selten werden Urkunden überreicht. Beim TSV 1860 laufen die Dinge anders. Auch dort steht heute ein Jubiläum an, große Herzlichkeiten sind aber nicht zu erwarten. Exakt vor 15 Jahren startete die „Zusammenarbeit“ zwischen den Löwen und Hasan Ismaik. Der Jordanier rettete die Sechzger vor der Pleite, erwarb 60 Prozent der Anteile an der KGaA und ließ Giesing mit den ganz großen Worten träumen.

Wo einst an der Grünwalder Straße 114 von „Augenhöhe mit Barcelona“ gesprochen wurde, herrscht heute bloße Existenzangst. Es heißt wieder einmal: Ismaik gegen den Mutterverein. Den Löwen fehlen 2,7 Millionen Euro, um bis kommenden Mittwoch (17 Uhr) die 3.-Liga-Lizenz zu erwerben. Es droht der Super-GAU: zweiter Regionalliga-Abstieg seit 2017. Ismaik hatte zuletzt Darlehensverträge gekündigt, Geschäftsführer Manfred Paula fechtet das juristisch an. Das rechtliche Urteil dürften die Sechzger kaum abwarten dürfen. Dem DFB sind die Löwen-Streitereien nämlich egal. Es zählt nur: Hat 1860 bis Mittwoch die Kohle oder nicht?

Seit Mittwochabend keimte zumindest wieder etwas Hoffnung auf, dass sich die verhärteten Fronten annähern. Denn die „SZ“ berichtete davon, dass Ismaik den umstrittenen Punkt, der e. V. solle künftig auf sein Vorkaufsrecht bei einem Anteilsverkauf des Jordaniers verzichten, wieder zurückgezogen hat. Das deckt sich auch mit Informationen unserer Zeitung. Bleiben sechs weitere Forderungen, die der Mutterverein absegnen muss. Die Zeit drängt.

Ismaik selbst ist derweil wieder auf den sozialen Netzwerken aktiv. Dort macht der 48-Jährige mit (teils) kryptischen Posts auf sich aufmerksam. Schlecht für Sechzig: Auch in seinem neuesten Beitrag macht der jordanische Geschäftsmann klar, dass ein Abstieg aus der 3. Liga in den Amateurfußball für ihn nicht das Ende der Welt bedeuten würde: „Wenn die Löwen von Grund auf neu aufgebaut werden müssen, selbst aus niedrigeren Ligen heraus, dann ist das keine Schande.“

Blickwechsel: Es war wie die Flucht in eine heile Löwen-Welt. Als der TSV 1860 mit rund 160 geladenen Gästen am Donnerstag seine Meister-Helden hochleben ließ, war von der angespannten, realen Situation der Sechzger wenig zu spüren. Weder Präsident Gernot Mang noch Verwaltungsrat Sebastian Seeböck – beide exzellent gelaunt – wollten sich gegenüber den Medien dazu äußern, dass dem TSV 1860 das Wasser weiter bis zum Hals steht.

Anstatt die Anwesenden auf den aktuellen Stand der Gespräche zu bringen, gab Mang Einblick in sein Seelenleben: „Natürlich schmerzt es uns zu sehen, wo dieser Verein heute steht. Es tut weh, dass wir in Teilen der Presse als Chaosverein dargestellt werden.“ Mit einer Kampfansage verabschiedete sich Mang schließlich in die entscheidenden Verhandlungstage: „1860 gehört nicht in die 3. Liga – und schon gar nicht in die vierte!“MARCO BLANCO UCLES

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