Seht her: Deniz Undav glaubt, dass er einen Platz im deutschen WM-Team haben muss – ein Kopfballtor und eines per Fuß zeigten seine Variabilität. Zudem bereitete er das 2:0 vor. Neben ihm wirbelte Lennart Karl. © KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP
Mainz – Freundschaftsspiele gibt‘s nur noch selten im internationalen Kalender, sie gelten als Auslaufmodell. Ausnahme: Wenn sie direkt vor Turnieren stattfinden. „Das ist“, sagte Deutschlands Mittelfeldstar Florian Wirtz über die Begegnung mit den nicht für die WM qualifizierten Finnen, „eine von zwei Generalproben. Wir wollen als Mannschaft ein gutes Gefühl bekommen, das steht über allem.“ Und – wie ist die Gefühlslage nach dem Test vom Sonntagabend in Mainz? Gut. Mit einem 4:0 (1:0) über Finnland auf dem Boarding-Pass steigt der DFB-Tross am Dienstag in den Flug nach Chicago ein.
Torhüter Oliver Baumann wurde vom Mainzer Publikum mit demonstrativem Applaus begrüßt – man konnte es auch als Volksmurren gegen die Causa Manuel Neuer interpretieren. Doch die gut 25.000 Zuschauer waren natürlich schon bereit, sich von der Mannschaft überzeugen zu lassen. Wie so oft: In den ersten Minuten wurde eine flotte Sohle gespielt, was die Offensive in der erstmaligen Besetzung der wiedervereinten Florian Wirtz und Jamal Musiala zusammen mit Lennart Karl und Deniz Undav auch erwarten ließ, nach der vergebenen Chance von Undav (8. Minute) kroch aber Stille ins Stadion. Julian Nagelsmanns Team hatte den Ball, aber keine Idee, um erfolgversprechend vor den Kasten des Ex-Leverkuseners Lucas Hradecky zu kommen.
Zur Halbzeit aber doch Anerkennungsapplaus, weil die Deutschen in Führung gingen. Kurze Ecke Karl, Flanke von Joshua Kimmich, so genau auf den Kopf von Undav, dass der Mittelstürmer nicht mal hochspringen musste, sondern die Aufgabe stehend erledigen konnte: 1:0 in der 34. Minute, und der Stuttgarter warf sich in Muskelmann-Pose, als stünde er im Fitnessstudio vor dem Ganzkörperspiegel. Undav gehörte zu den Nicht-Stammkräften, denen sich die Chance bot, eine Empfehlung abzugeben. Wie etwa auch Nathaniel Brown, der auf der linek Seite überraschend für David Raum aufgeboten wurde. Brown „verkörpert eine andere Art“, so der Bundestrainer, „es ist kein Fingerzeig“. Schon eher ernsthaften Testcharakter hatte es, dass Nagelsmann in der Zentrale neben Aleksandar Pavlovic den Dortmunder Felix Nmecha wirken ließ.
Die Frage nach dem Sieger stellte sich nicht (dafür waren die Finnen zu bieder), geklärt war sie drei Minuten nach Wiederbeginn, als Undav Markhiev den Ball abluchste und ihn Florian Wirtz zum 2:0 auf den Fuß legte. Und weil Undav so einen schönen Lauf hatte, sorgte er auch für das 3:0 (57.) – vorbereitet von Karl. Dumm nur, dass Deniz Undav sich bei seinem Abschluss wehtat. Raus mit Schmerzgesicht. Aber nichts Ernstes. Und der Schwung blieb im deutschen Spiel. Jamal Musiala verbuchte mit dem 15-Meter-Schuss zum 4:0 sein Erfolgserlebnis.
Dann gab‘s noch ein paar Wechsel. Muss man auch üben. Die FIFA verlangt, dass Personalien binnen zehn Sekunden erledigt werden.G. KLEIN, V. TSCHIRPKE