Bonn lässt die Bayern leiden

von Redaktion

FCB-Baskets gewinnen erstes Halbfinale im Endspurt – Dimitrijevic überragt mit 14 Assists

Auch für starke Bonner nicht zu bremsen: Nenad Dimitrijevic (am Ball). © Gamel/IMAGO

München – Als alles vorbei war, hat Svetislav Pesic noch einmal einen Blick in die Statistik geworfen. „Wenn ich ehrlich bin“, setzte der merklich angefressene Coach der Bayern-Basketballer an, „ich weiß nicht, warum Bonn nicht gewonnen hat.“ 35 Minuten lang hatten die Rheinländer das erste Halbfinale im mit 8100 Zuschauern überschaubar gefüllten SAP Garden diktiert – am Ende stand doch ein 83:78 (30:34) für Pesics Bayern, die mit dem vierten Sieg im vierten Playoff-Spiel weiter dem Titel entgegenstreben.

Bei näherem Hinsehen konnte man diese Wendung vor allem auf zwei Namen reduzieren. Der eine war, natürlich, Andi Obst. Kurz vor Schluss entzog sich der wertvollste Spieler der Hauptrunde zweimal der umsichtigen Bewachung durch seine Bonner Gegenspieler, zwei Dreier saßen – es war der vielleicht entscheidende Genickschlag für die lange sehr selbstbewusst auftretenden Gäste.

Der andere war: Nenad Dimitrijevic. Den Nachkauf aus Nordmazedonien hatte Pesic über die gesamte Rückrunde als eine Art schlafenden Riesen angekündigt: „Wenn er körperlich fit wird, dann kann er schon richtig was.“ Zur bestmöglichen Zeit des Jahres scheint der 28-Jährige diese Fitness erreicht zu haben. Schon im Viertelfinale gegen Trier war Dimitrijevic so etwas wie das Gehirn hinter den vergleichsweise entspannten Bayern-Siegen. Gegen Bonn riss er vor allem in der Endphase das Spiel vollends an sich. Zum Zungeschnalzen die Aktion in der Schlussminute, als er sich erst in der eigenen Zone mit einer Körpertäuschung einem Bonner entzog, um den Ball dann übers ganze Spielfeld hinweg in die Hände des davongeeilten Oscar da Silva zu schleudern. Der ihn mit humorlosem Dunking zum vorentscheidenden 78:73 versenkte.

Was schon eine spezielle Wendung ist, wenn man bedenkt, dass die Bayern Mitte des dritten Viertels bis auf 13 Punkte ins Hintertreffen gerieten. Doch dann kamen 51 Punkte. Dann kam Nened Dimitrijevic.

14 Assists, direkte Korbvorlagen also, hatte der freundliche Regisseur ohne jeden Ballverlust am Ende in die Bücher gebracht. An viel Besseres kann er sich selbst kaum erinnern. „Vielleicht gab es mal 15…“, sagte er. Wie viel das ist, kann man daran ermessen, dass Vechtas Alonzo Verge als bester Ballverteiler der BBL in der Hauptrunde auf durchschnittlich 6,6 Assists kam. Der Münchner, der nebenbei auch noch zehn Punkte selbst beisteuerte, nimmt es mit feinem Lächeln. „Ich will der Mannschaft bestmöglich helfen.“

Auch am heutigen Montag will er das wieder tun. Um 20.30 Uhr geht die Halbfinalserie an gleicher Stelle mit dem zweiten Duell weiter. Dann wollen sich die Bayern ungleich besser auf das unorthodoxe Spiel der Bonner einstellen, vor allem die 18 offensiven Rebounds schmerzten. „Da haben wir versagt“, sagte Pesic.

So sieht es auch Nenad Dimitrijevic. Der Bayern-Regisseur, den Svetislav Pesic zum Jahreswechsel von Zenit St. Petersburg an die Isar gelockt hatte, hat in München noch Pläne in dieser Saison: „Wir wollen diesen Titel holen. Dann war es eine gute Saison.“RP

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