ZUM TAGE

Der DFB braucht eine langfristige Strategie

von Redaktion

Verbandswechsel schaden Nationalelf

Rudi Völler hat mit seinem Appell ein wichtiges Thema angesprochen: Der Sportdirektor kritisierte die häufig späten Verbandswechsel (siehe Text auf der nächsten Seite) junger Spieler. Dadurch laufen Profis, die teils ihre gesamte Jugend in den Nachwuchsmannschaften bestimmter Nationen spielten, plötzlich für einen anderen Verband auf. Häufig, weil ihnen dort mehr Spielzeit oder mehr Verantwortung in Aussicht gestellt wird.

Das ist aus Sicht der Spieler verständlich, für die Verbände aber extrem ärgerlich. Schließlich stecken diese große Summen in die Ausbildung junger Talente und versprechen sich davon ein Fundament für die Zukunft. Völlers Vorschlag, sich bis zum 18. Geburtstag entscheiden zu müssen, ist daher verständlich und eine sinnvolle Idee.

Bislang bleibt es aber auch nur bei einem Vorschlag, vonseiten der Fifa sind keine Änderungen der Regularien angekündigt. Daher muss sich der DFB eine langfristige Strategie überlegen, wie er dieses komplizierte Thema in Zukunft handhaben will. Schließlich ist die Lage verzwickt: Talente frühzeitig für die A-Elf zu nominieren und ihnen falsche Versprechungen zu machen, um sie an den DFB zu binden, wäre unfair und nicht richtig.

Gleichzeitig sind dem deutschen Verband in den vergangenen Jahren mit Ibrahim Maza, Kenan Yildiz oder Josip Stanisic enorm starke Spieler verloren gegangen. Und der nächste Rückschlag könnte bald folgen: Nicolo Tresoldi, Stürmer beim FC Brügge und U21-Nationalspieler, könnte auch noch für Italien auflaufen. Der italienische Verband wirbt schon länger um das Toptalent, das diese Saison Torschützenkönig in Belgien wurde und sein Team zur Meisterschaft schoss. Nach der Nichtnominierung für den deutschen WM-Kader ist es nicht ausgeschlossen, dass Tresoldi bald sein Debüt für die Italiener feiern könnte.

Wie also kann der DFB diesem Problem begegnen? Nur mit viel Empathie und Fingerspitzengefühl. Die jungen Spieler brauchen eine klare Perspektive, wann sie wo eingesetzt werden könnten – mehr Optionen bleiben bei diesem komplizierten Thema nicht.

Artikel 1 von 11