Rathan-Mayes (li.) war eine der Triebfedern in einem deutlich verbesserten Bayern-Team. © IMAGO/Oryk HAIST
München – Nun nehmen die Basketballer des FC Bayern auf dem Weg zum Meister-„Threepeat“ also noch einmal Fahrt auf. Im zweiten Halbfinale fegte der Titelverteidiger die Baskets Bonn ziemlich humorlos mit 91:69 (50:27) von der Platte. 2:0 also in der Serie nach dem Modus best of 5 – schon beim Wiedersehen am Donnerstag (18.30 Uhr) könnten die Münchner das Finale klar machen. Genauso übrigens wie Alba Berlin, das auch das zweite Duell mit Bamberg deutlich mit 85:71 für sich entschied.
Dabei hatte der zweite Halbfinalarbeitstag für die Bayern eigentlich alles andere als gut begonnen. Andi Obst konnte nicht mitmachen. Der Welt- und Europameister kränkelte und war gar nicht im SAP Garden. Ein Fehlen der treffsicheren Lebensversicherung hatte sich für die Münchner in dieser Saison selten als vorteilhaft erwiesen. Auch im zittrigen ersten Duell war Obst der Mann, der mit seinen Dreiern kurz vor Schluss maßgeblich den Fehlstart mit abwenden half.
Aber: siehe da: Die Bayern hatten auch ohne ihren Hauptrunden-MVP einige Schlüsse aus dem ersten Duell gezogen. Da hatte Bonn dem, im leichten Sommermodus befindlichen Favoriten den Ball immer wieder am Korb weggeangelt. Hatte sich 18 (!) zweite Wurfchancen erkämpft. Sodass Pesic verschnupft feststellte: „Ich glaube, ich war der einzige, der wusste, dass Bonn eine gute Mannschaft ist.“
Und diesmal? Packten seine Profis am Korb von Beginn an entschlossen zu. Allen voran Jo Voigtmann, den Pesic anstelle von Wenyen Gabriel in die Zone beorderte. Sieben Rebounds hatte der Weltmeister schon zur Pause zu Buche stehen. Die Konsequenz: Bonn, dessen Joel Aminu am Samstag noch so zerknirscht „einer großen Chance“ nachtrauerte, brachte so gar keinen Schwung auf die Anzeigetafel. Zwei von elf Dreier-Versuchen saßen nach einer Halbzeit, 18 Prozent – ernüchternd.
Ganz anders die Bayern, die den Ball munter rotieren ließen. Diesmal viel zu schnell für die, eigentlich als Defensivspezialisten bekannten Rheinländer. Vor allem Xavier Rathan-Mayes setzte früh die Signale. Der Kanadier bewegte sich in diesem Jahr bei seinem 16. Club ja oft irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Diesmal bekam die, für einen Montagabend durchaus stattliche Fangemeinde von 9.058 Zuschauern im SAP Garden mal wieder die gute Seite von „X“ zu sehen, wie er im Mannschaftskreis heißt. Rathan-Mayes passte, Rathan-Mayes traf. Mit 20 Punkten war er sozusagen der Ersatz-Obst.
Dass auch Oscar da Silva seinen positiven Beitrag leistet, ist schon längst nichts Neues mehr. Da Silva machte da-Silva-Dinge – selten auffällig, aber höchst effektiv. 17 Punkte, sieben Rebounds waren diesmal seine ansehnliche Bilanz.
Und eigentlich war der Fall schon nach 20 Minuten erledigt. 50:27, 23 Punkte hatten die Bayern da zwischen sich und den Herausforderer gelegt. Man konnte es sich leisten, nach dem Wechsel in den Verwaltungsmodus umzuschalten.
Das ermögliche Bonn zwar, das Ergebnis zumindest ein bisschen freundlicher zu gestalten. Doch so sehr sich das Team von Marko Stankovic auch mühte – Zweifel wollten an diesem Abend keine mehr aufkommen.PATRICK REICHELT