Zverev bereit für Baby-Nadal

von Redaktion

Duell der Generationen: Deutsches Tennis-Ass schwärmt vom 19-jährigen Spanier

Weiter mit Gebrüll? Zverevs Chancen auf den ersten Grand-Slam-Sieg stehen gut. © Poujoulat/AFP

Paris – Die Umarmung mit Hollywood-Star Salma Hayek war für Alexander Zverev nur eine kurze Ablenkung, den Fokus legte er schnell auf den ersten echten Härtetest seiner Titelmission in Paris. Auf dem Weg zum ersehnten Grand-Slam-Triumph trifft er im Viertelfinale am Dienstag auf Spaniens Jungstar Rafael Jódar. Der 19-Jährige stellt gerade gemeinsam mit dem gleichaltrigen João Fonseca aus Brasilien bei den French Open die Tennis-Welt auf den Kopf.

„Er hat großes Lob verdient. Er spielt fantastisches Tennis“, sagte Zverev über seinen zehn Jahre jüngeren Gegner. Der Spanier könne den Ball „von beiden Seiten beschleunigen, was unglaublich bemerkenswert ist“, erklärte der Weltranglistendritte: „Er ist ein sehr aggressiver Spieler. Er ist noch sehr jung und hat ein enormes Talent.“

Jódar stand vor einem Jahr noch auf Weltranglisten-Position 707 – jetzt wird er als Mitfavorit in Roland Garros gehandelt. Wie ist das möglich? Durch eine herausragende Sandplatzsaison mit einer 19:3-Bilanz, die sogar die von Zverev (17:4) übertrifft. Der Madrilene wird „Rafa“ genannt, genau wie sein Namensvetter Rafael Nadal. Sein Spiel ist anders als das des 2024 zurückgetretenen Sandplatz-Königs, funktioniert auf dem Belag aber auch.

„Gerade auf Sand spielt der wie die Feuerwehr“, sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner Boris Becker bei Eurosport. Er sieht in dem aufstrebenden Youngster, der 2024 den Junioren-Titel bei den US Open geholt hatte, „eine echte Herausforderung“ für Zverev.

Der Hamburger sieht sich dafür gerüstet. „Ich muss mir selbst vertrauen und ich werde dafür bereit sein“, sagte der 29-Jährige. Er weiß: Schafft er auch diesmal die Krönung bei einem Grand-Slam-Turnier nicht, wird er wohl als der große Verlierer das Turnier verlassen. Und nicht die bereits ausgeschiedenen Konkurrenten Jannik Sinner und Novak Djokovic.

Im Achtelfinale hielt Zverev dem großen Titeldruck nach anfänglichen Schwierigkeiten gut stand – auf der Tribüne sah das auch Schauspielerin Hayek. Am Ende stand ein 7:6 (7:3), 6:4, 6:1-Sieg gegen Außenseiter Jesper de Jong aus den Niederlanden und für Boris Becker die Erkenntnis: „Die Psyche hat sich beruhigt, die bösen Dämonen haben sich jetzt erstmal verabschiedet.“

Solche Sätze und auch die enorme Erwartung der Fans bekommt Zverev kaum mit. „Mein Handy ist aus“, behauptete er. Er sei während des Turniers auch nicht in den sozialen Medien unterwegs. Den Hype um seinen Viertelfinalgegner hat er aber natürlich trotzdem mitbekommen. Das sei „eine tolle Zeit“ für einen so jungen Spieler, meinte Zverev, „wenn man am Anfang seiner Karriere steht, weil man keinen Druck verspürt. Man kann frei spielen. Man erlebt all diese wichtigen Dinge zum ersten Mal.“

Anders als Zverev kann Jódar befreit aufspielen. „Ich versuche, den Moment zu genießen“, sagte er. Auf der Grand-Slam-Bühne zu sein und so weit zu kommen, sei für ihn „ein Geschenk“. Und so spielt er auch: unbekümmert und mutig.

Der Siegeszug der Youngster zeigt Zverev, dass die nächste Generation mit großer Wucht nach vorne drängt. Er muss sie hier und jetzt stoppen, denn einfacher wird es in Zukunft sicher nicht. Zumal dann ja auch Sinner (24) und Carlos Alcaraz (23) wieder mitspielen. DPA

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