Der Ball liegt bei Ismaik

von Redaktion

Steigt 1860 heute in die Regionalliga ab? Investor deutet Einlenken in letzter Minute an

Krisenmanager vor Ort: KGaA-Boss Manfred Paula. © IMAGO

Lenkt er noch ein? 1860-Investor Hasan Ismaik. © IMAGO

München – Heile Welt – so wirkt es, wenn man in diesen Tagen von außen auf den TSV 1860 blickt. „Sommervorbereitung 2026: Löwen kehren nach Oberösterreich zurück“, verkündet der Club auf seiner Homepage. Daneben lächelt Kevin Volland vor den Luxuschalets des letztjährigen Quartiers in Ulrichsberg. Mehr als 10.000 Fans haben zudem Post bekommen: Die Dauerkarten für 2026/27 wurden verschickt – ausdrücklich für die 3. Liga. Ein weiteres Highlight ist für Samstag, 11 Uhr, geplant: Fanshop-Eröffnung am Flughafen. Ehrengast: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Lizenzentzug? Regionalliga? Drohende Insolvenz? Diese unangenehmen Themen werden ausgeblendet – dabei tickt er unerbittlich runter: der Countdown, der den Verein zum zweiten Mal nach 2017 ins Chaos stürzen könnte. Bis Mittwoch, 17 Uhr, muss 1860 dem DFB 2,7 Millionen Euro nachweisen. Gelingt das nicht, droht erneut der Zwangsabstieg.

Ein Szenario, das unabsehbare Folgen hätte. Auf dem Spiel steht nicht nur eine Liga, sondern praktisch alles. Der Profikader würde auseinanderbrechen. Grundlage des Neuaufbaus wäre das U 21-Team, das Alper Kayabunar auf Platz eins der Bayernliga Süd geführt hat. Ob Cheftrainer Markus Kauczinski den Gang in die Viertklassigkeit mitgehen würde, erscheint kaum vorstellbar. Der Etat müsste drastisch zusammengestrichen, die Stadionmiete neu verhandelt werden. Auch die Löwentreue von Sponsoren und Partnern würde auf eine harte Probe gestellt.

Auslöser der jüngsten Eskalation ist bekanntlich die Kündigung des Darlehensvertrags durch Investor Hasan Ismaik und seine Berater. Die Vereinsseite hält diesen Schritt für rechtlich unwirksam. Während die Anwälte beider Lager um Lösungen ringen, läuft die Uhr weiter. Der Knackpunkt liegt bei einer Forderung nach einem „Super-Controller“ für die Geschäftsführung. Genau dort verläuft die rote Linie des Vereins. Nach Informationen unserer Zeitung hat bei diesem Punkt auch der DFB Bedenken, Stichwort 50+1. Ismaiks neue Rechtsvertreter von Deloitte sehen das offenbar anders.

Die alles entscheidende Frage aber lautet: Kommt das Geld – oder kommt es nicht? Optimisten sprechen von einer 50:50-Chance. Ismaik selbst teilte der „SZ“ in einem knappen Statement mit: „Ich denke, wir bleiben in der 3. Liga – und jeder arbeitet besonders hart, um in der 3. Liga zu bleiben.“ Sicher ist aber noch nichts. Erinnerungen an 2017 werden wach: Damals ging der 2. Juni als schwarzer Freitag in die Vereinsgeschichte ein. Nun droht am 3. Juni ein schwarzer Mittwoch.

Im Löwenstüberl haben Fans bereits Plätze reserviert. Sie wollen vor Ort warten, bis weißer oder schwarzer Rauch aufsteigt. Noch besteht Hoffnung. Genauso wahrscheinlich ist jedoch, dass Manfred Paula in die Fußstapfen von Hans Sitzberger und Heinz Schmidt treten muss. 2017 hatten die damaligen Vizes den Absturz moderiert – diesmal bekäme der Geschäftsführer den Frust der Fans zu spüren. Oder Präsident Gernot Mang, der sich wohl gezwungen sähe, zum zweiten Mal seinen Türkei-Urlaub zu unterbrechen. Am Donnerstag, als es um die Ehrung der Meisterlöwen ging, fiel ihm das gewiss leichter.ULI KELLNER

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