Frauen-Liga kämpft gegen Fluktuation

von Redaktion

Das Ausland lockt: Vivien Endemann (links) wechselt nach Liverpool. © Robert Michael

Köln – Gut ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Brasilien gibt es im deutschen Fußball der Frauen zwei Erzählungen. Da ist die schöne Geschichte vom Nationalteam, das unter Bundestrainer Christian Wück wieder gefestigt wirkt und 2027 einer der Titelfavoriten sein könnte. Und da ist die andere: Die internationale Nachfrage nach deutschen Spielerinnen ist gestiegen und die Bundesliga muss mitten im eigenen Strukturwandel mehr denn je um ihre Stars kämpfen.

Wück sieht „das Ganze mit einem lachenden und weinenden Auge“. Für die individuelle Entwicklung seiner Nationalspielerinnen seien Stationen im Ausland „definitiv förderlich“. Andererseits gelte: „Der Standort Deutschland sollte in der Lage sein, seine besten Spielerinnen in der Liga zu halten.“

Aus dem aktuellen DFB-Aufgebot für die Spiele in der WM-Qualifikation gegen Norwegen am Freitag (20.35 Uhr/ARD) in Köln und am darauffolgenden Dienstag in Slowenien verdienen neun DFB-Kickerinnen ihr Geld im Ausland – weitere könnten zeitnah folgen. Hoffenheims Selina Cerci wechselt sicher. Frankfurts Nicole Anyomi wird mit Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht, Vereinskollegin Elisa Senß mit Real Madrid. Bereits fix ist der Abgang der Wolfsburgerin Vivien Endemann zum FC Liverpool.

Vor allem die englische Women’s Super League lockt mit höheren Gehältern. Dort investieren die großen Männervereine massiv in ihre Frauenabteilungen. Ex-Bayern-Stürmerin Lea Schüller, seit einem halben Jahr bei Manchester United, schwärmte nach ihren ersten Wochen: „Mehr Athletiktrainer, mehr Physios, eine Ernährungsberaterin, die wirklich jeden Tag da ist.“

Es gibt Gründe, warum die Bundesliga seit 2015 auf einen Titel im Europapokal wartet. Der Frauenfußball habe sich „Gott sei Dank nicht nur in Deutschland entwickelt, sondern auch europaweit“, sagte DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich. Für die Spielerinnen eröffne sich dadurch ein „größerer Markt der Möglichkeiten“. Die Entwicklung gleiche zunehmend den Mechanismen des Männerfußballs.

Wie die Bundesliga in diesem veränderten Umfeld bestehen will, ist seit Sonntag bekannt – ohne den DFB nämlich. Ab dem 1. Juli 2027 soll die Liga offiziell unter FBL-Flagge laufen. Angelehnt ist das Modell an jenes der Männer-Bundesliga, die seit über 20 Jahren von der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisiert und vermarktet wird. Spätestens im Herbst, wenn die FBL auf einen lukrativen TV-Deal hofft, dürfte klarer werden, ob der Plan aufgeht.DPA

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