Machtdemonstration: Zverev präsentierte sich stark. © Morissard/dpa
Fairer Verlierer: Rafael Jódar gratuliert Zverev zum Sieg. © Badra/EPA
Starke Rückhand: Zverev zeigte gegen den Spanier Jódar keine Schwäche. © Dilkoff/dpa
Kurzer Jubel: Alexander Zverev steht im Halbfinale der French Open. © Tesson/EPA
Paris – Mit einer Machtdemonstration ins Halbfinale: Alexander Zverev hat sich bei den French Open auch vom spanischen Teenager Rafael Jódar nicht aufhalten lassen und ist nur noch zwei Siege vom Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels entfernt. Der Tokio-Olympiasieger setzte sich nach einer starken Vorstellung 7:6 (7:3), 6:1, 6:3 gegen den hochgehandelten 19-Jährigen durch und erreichte zum fünften Mal in den vergangenen sechs Jahren die Vorschlussrunde von Roland Garros.
Zverev, der im vergangenen Jahr im Viertelfinale noch sang- und klanglos am 24-maligen Major-Gewinner Novak Djokovic gescheitert war, hatte nur zu Beginn des Spiels Probleme gegen den Spanier. Nach einer deutlichen Leistungssteigerung Mitte des ersten Satzes verwandelte er schließlich nach 2:25 Stunden Spielzeit seinen ersten Matchball zum Sieg.
Auf dem Weg zum Finale bekommt es Zverev nun mit einem weiteren „jungen Wilden“ in Paris zu tun. In der Nightsession (nach Drucklegung dieser Ausgabe, Anm.) duellieren sich der Brasilianer Joao Fonseca, wie Jódar nur 19, und der ein Jahr ältere Jakub Mensik aus Tschechien um den Einzug in die Vorschlussrunde. In dieser Form ist Zverev aber auch dann klar favorisiert. Unabhängig vom Gegner bleibt Zverev nach dem frühen Ausscheiden von Jannik Sinner und Novak Djokovic sowie dem verletzungsbedingten Fehlen von Carlos Alcaraz Titelkandidat Nummer eins in Roland Garros.
Vor dem ersten richtigen Härtetest auf dem Weg zum erhofften Triumph hatte Zverev prominente Unterstützung erhalten. „Ich hoffe, dass es dieses Jahr hier in Paris soweit sein wird“, hatte die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber gesagt. Entscheidend sei aber, wie der Hamburger mit seiner Favoritenrolle und den hohen Erwartungen an der Seine umgeht. Zverev werde „mehr Druck spüren als je zuvor in seiner Karriere“, war sich auch Legende John McEnroe sicher.
Am Dienstag hatte sich die Hitze der ersten Woche endgültig verabschiedet, in Paris regnete es bei Temperaturen um die 20 Grad immer wieder in Strömen. Und so blieb das Dach über dem Court Philippe-Chatrier geschlossen. Er hoffe, dass sich trotz der veränderten Gegebenheiten „nichts am Ergebnis ändere“, sagte Mischa Zverev bei Eurosport: „Die Bedingungen sind natürlich anders, der Platz ist nass, der Ball springt anders ab.“ Dennoch war der Glaube an einen Sieg des Bruders gegen Jódar groß: „Er wird ihn auch packen.“
Doch wie im Achtelfinale gegen den Niederländer Jesper de Jong fand Zverev schleppend in die Begegnung, was der furchtlose Spanier gnadenlos ausnutze. Während sich der Hamburger immer wieder Fehler erlaubte, war Jódar vor allem bei seinen eigenen Aufschlagspielen kaum angreifbar – und zog schnell auf 5:2 davon.
Mit dem Rücken zur Wand zeigte Zverev aber eine starke Reaktion. Der Hamburger fand besser in die Partie und schaffte es nun, konstant Druck auf seinen jungen Widersacher auszuüben. Und so ging es doch noch bis in den entscheidenden Tiebreak, in dem Zverev die Oberhand behielt und sich nach einer Stunde und acht Minuten den Durchgang schnappte.
In der Folge drehte der Tokio-Olympiasieger auf, Jódar hatte dem Spiel des Deutschen nun wenig entgegenzusetzen. Nur 34 Minuten benötigte Zverev für Durchgang zwei – und war nun nicht mehr aufzuhalten.SID