Der Marathon 2025: Ausrichter war die Laufstatt Event gGmbH, Sponsor der Ausrüster Brooks. © B. Lindenthaler/Imago
München – Frankfurt ist jetzt ein Teil von London. Also: Der Marathon ist es. Die Engländer haben die deutsche Traditionsveranstaltung (43 Jahre alt) gekauft.
Der London Marathon gehört zu den größten der Welt, so stark ist der Andrang, dass es schon Überlegungen gab, den 42,195-Kilometer-Lauf, der immer im April stattfindet, zu verdoppeln: Samstags ein Marathon, am Sonntag ein Marathon. Umgesetzt wurde dieser Plan noch nicht, eine Erweiterung hat die „London Marathon Events“ dennoch vorgenommen – und sich Frankfurt einverleibt. Jo Schindler, der langjährige Renndirektor am Main, war bereit, seine Agentur „Motion Events“ zu verkaufen.
Ein Deal, der zeigt: Der Langstreckenlauf ist ein Wachstumsgeschäft. 2025 gingen die Teilnehmerzahlen überall nach oben. Der Münchner Gernot Weigl blickt wehmütig auf diese Entwicklung. „Als der Boom kam, hat man mir den Marathon weggenommen.“ Ein Vierteljahrhundert war er der Veranstalter in München. Dass er dann nicht mehr berücksichtigt wurde, fühlte sich für ihn „wie eine Enteignung“ an.
Um den Münchner Lauf war ein Wettbewerb zwischen drei Veranstaltungs-Interessenten entbrannt – inklusive gerichtlicher Streitigkeiten, die noch immer nicht abgeschlossen sind. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde die Vergabe nun geändert, der neue Stadtrat brachte die Ausschreibung für die kommenden Jahre auf den Weg. Ob sie geeignet ist, die Szene zu befrieden – fraglich.
Für Oktober 2026 wurde der Marathon noch nach den alten Kriterien vergeben. Ein zweites Mal wird die Laufstatt Event gGmbH den Lauf organisieren. Bis 15. Juli kann sie sich wie andere Interessenten auch beim Kreisverwaltungsreferat darum bewerben, 2027 und 28 zum Zug zu kommen. Allerdings, so steht es in der Ausschreibung: „Sollten mehrere … Anträge vorliegen, entscheidet das Los.“ Und: Ab 2029 soll der Marathon direkt an die städtische Tochter Olympiapark GmbH vergeben werden. Private Anbieter wie die bisherigen wären dann außen vor. Wie gehen sie mit der veränderten Lage um?
Die LG Stadtwerke München haben öfter betont, wie wichtig für den Verein Einnahmen aus einem großen Marathonlauf wären. Mittlerweile ist LG-Stadtwerke-Präsident Jacob Minah in den Defensivmodus gewechselt. „Wir haben uns entschieden, uns zu laufenden Bewerbungsverfahren nicht öffentlich zu äußern“, lässt Minah wissen. Und: „Der Fokus liege nun „auf den Kern-Themen der LG“. Das wäre die Stadion-Leichtathletik. In der setzte ihr allerdings Claus Dethloff zu, der den Stadtwerken für sein Projekt Germany Athletics/Munich Athletics e.V. einige Spitzenkräfte abwarb.
Auch dem Ex-Hammerwerfer Dethloff wurde Interesse am München Marathon nachgesagt. Er stellt klar: An der Ausrichtung habe er „kein Interesse“. Mitmischen will er aber auf sportlicher Ebene: „Wir haben bereits ein internationales Elite-Marathon-Team gebildet, mit welchem wir den München Marathon stärken wollen. Auch sind wir in Gesprächen mit der Laufstatt Event gGmbH, um Synergien zu schaffen.“
Die Laufstatt Event gGmbH, die den Marathon dauerhaft organisieren will, äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zu einem Fragenkatalog. Die Newcomer hatten sich für ihre Premiere im Oktober 2025 gefeiert, Manfred Steffny, Marathon-Olympiastarter von 1972 und Herausgeber des Laufmagazins „Spiridon“, machte in der Außendarstellung der Laufstatt gGmbH allerdings „Lug und Trug“ aus. Teilnehmer berichteten von Mängeln.
Das von der Stadt ausgerufene Losverfahren nennt Claus Dethloff, der als Kölner den Blick von außen hat, „die schlechteste aller Lösungsmöglichkeiten“. Positiv hielte er es, wenn „ein Ausrichter über mehrere Jahre feststeht“ – wegen „Planungssicherheit“.
Denn Münchens Konkurrenz ist stark. Im Oktober Frankfurt, das jetzt auch ein Stück London ist.GÜNTER KLEIN