Der „X“-Faktor: Xavier Rathan Mayes. © IMAGO/Oryk HAIST
Alles im Griff: Isiaha Mike (links). © Haist/IMAGO
München – Es war schon zu ziemlich später Stunde, als auch Isiaha Mike aus dem Kabinentrakt in die Katakomben des SAP Garden zurückschlappte. Der Forward der Basketballer des FC Bayern hatte sich noch umfangreich pflegen lassen. Man will schließlich kein Risiko eingehen in diesen Tagen, will möglichst erholt dem Trip nach Bonn entgegengehen, wo die Münchner am Donnerstag (18.30 Uhr) den neuerlichen Finaleinzug klar machen könnten.
Wobei, was heißt schon erholt? Es ist der merkwürdige Dreh, dass diese Saison ausgerechnet in der heißesten Phase Playoffs für die Bayern fast schon entspannte Züge annimmt. Seit dem Jahreswechsel war das Team von Trainer Svetislav Pesic im Schnitt alle 2,5 Tage im Einsatz gewesen. Und jetzt? Hatte man vor Viertel- wie Halbfinalserie eine komplette Woche Pause. Klappt es am Donnerstag mit dem dritten Sieg, dann wäre es vor den Endspielen nun wieder so: „Das kann dich aus dem Rhythmus bringen“, sagte Mike.
In der Tat holperten sich die Münchner in beide Runden hinein. Auch im Halbfinale war das so, wie auch Isiaha Mike fand: „Bonn war im Rhythmus, weil sie kurz vorher noch gespielt haben. Wir waren es nicht.“
Doch die Bayern haben die Fähigkeiten, schnell nachzujustieren. Das hat einerseits mit Trainer Svetislav Pesic zu tun, der seine Profis nach dem Samstagsspiel dem Vernehmen nach zu einer sehr ausgedehnten Videositzung bat (Mike: „Das ist inzwischen normal, aber wir lernen auch eine Menge daraus.“). Andererseits haben die Bayern auch einen Kader, der tiefer ist als alles, was in der BBL zu finden ist. Während Bonn an Ausfällen wie jenen von Spielmacher Grayson Murphy oder Michael Kessens merklich zu knabbern hat, fiel auf Münchner Seite am Montag nicht einmal das Fehlen des Magenkranken Andi Obst allzu sehr ins Gewicht. Vor allem in der ersten Halbzeit „war es eines unserer besten Spiele, seit ich wieder in München bin“, sagte Pesic.
Diesmal zahlte es sich aus, dass der Trainer in der Rückrunde immer wieder an Xavier Rathan-Mayes festgehalten hat. Der Kanadier bekam am Montag eine exponierte Rolle und durfte mit gut 27 Minuten länger mitmachen als andere. Das hatte er auch bei größter Rotation in der Hauptrunde selten erlebt. Und bedankte sich als Topscorer mit 20 Punkten. Was Isiaha Mike besonders freute. „Viele andere würden in seiner Situation einbrechen – er hat jeden Tag gearbeitet, als würde er immer 25 Minuten spielen. Deshalb war er jetzt auch einfach bereit. Das freut mich sehr für ihn.“
Vielleicht wird es in Bonn wieder so kommen, vielleicht ist ja auch Obst wieder mit von der Partie. Man wird die gesundheitliche Entwicklung des Hauptrunden-MVP unter Beobachtung halten. Entscheidung „day by day“, wie auch Pesic in solchen Fällen gerne sagt – die Sache wird gegebenenfalls kurzfristig entschieden. So oder so: Die Serie soll tunlichst am Donnerstag enden. Den Rhythmus wird man im Finale dann schon wieder finden.RP