Nicht zu bremsen: Xavier Rathen-Mayes sammelte 27 Punkte. © Haesler/IMAGO
Bonn – Mitte des dritten Viertels hatte die Verzweiflung in der Bonner Arena auch Marko Stankovic erfasst. Der Bonner Trainer brüllte seinen Profis zum wiederholten Mal in einer Auszeit die Münchner Qualitäten entgegen. Doch ganz egal, was der Serbe seinem Team auch mitteilte – die Bayern schoben zuverlässig etwas Neues nach. Am Ende stand ein 77:57 (37:25) auf der Anzeigetafel.
Und das war´s dann auch schon wieder mit dieser Halbfinalserie.. Die Bayern sind drin in den Finals. Drei Siege fehlen also noch um die wechselhafte Saison zumindest versöhnlich zu beenden – und Trainer Svetislav Pesic mit seiner sechsten Deutschen Meisterschaft zu verabschieden.
Dabei war es ja schon erst einmal so gekommen, wie man es hatte erwarten können. Die Bonner Fangemeinde ließ die Luft flirren. Bonn kämpfte, Bonn rannte. Doch: Bonn fehlte die Präzision. 20 % Dreierquote – viel zu wenig, wenn man den Hauptrunden-Champion auch nur ärgern will. Und die Bayern? Mussten zwar erneut auf den kranken Andi Obst verzichten. Aber sie machten trotzdem einfach mal da weiter, wo sie am Montag im SAP Garden aufgehört hatten. Beantworteten die Intensität der Gastgeber mit – nun ja – noch mehr Intensität.
Die Bayern ließen den Ball laufen. Vor allem Welt- und Europameister Johannes Voigtmann bewies einmal mehr, warum viele in ihm immer den verkappten Spielgestalter sehen. Acht Assists verteilte der Routinier, er veredelte sie mit sechs Rebounds. Das hatte Wirkung, weil sich halt auf allen Positionen auch Münchner fanden, die die Zuspiele zu verwerten wussten.
Allen voran auch diesmal: Xavier Rathan-Mayes. Der Kanadier hatte sich in der Rückrunde ja generell zum Spezialprojekt von Svetislav Pesic entwickelt. Kaum ein Spieler, auf den der Trainer-Vulkan ähnlich oft lautstark einredet. Auch in Bonn war das so. Und was auch immer Rathan-Mayes da zu hören bekam – es muss seine Wirkung gehabt haben. Denn der Mann mit dem feinen Händchen traf und traf. 27 Punkte hatte er am Ende alleine auf die Anzeigetafel gebracht, rund ein Drittel aller Münchner Punkte. Mit Abstand sein Bestwert in seinem Münchner Jahr. Er nahm es fast dankbar hin. „Ich habe das ganze Jahr gearbeitet, es war egal ob ich spiele oder nicht“, sagte er, „aber es geht darum, der Mannschaft so gut wie möglich zu helfen.“
Nur ganz kurz, Mitte der zweiten Halbzeit, flackerten zumindest Mini-Zweifel auf. Als Bonn den Rückstand in den Zehn-Punktebereich bugsierte. Aber die Bayern legten eben mit ein bisschen Zauberei nach. Rathan-Mayes fand den einschwebenden Isiaha Mike – was wie ein Dankeschön für Mikes großes Lob für den Kollegen am Montagabend war. „Ich liebe ihn einfach“, hatte Mike da überschwänglich über Rathan-Mayes erklärt.
Vladmir Lucic schnitt einen Bodenpass durch die komplette Bonner Defensive und fand Oscar da Silva. Und schon war das Bonner Flämmchen wieder erloschen. Heftig: Die Rheinländer mussten sich mit 57 Punkten bescheiden. „Defensive, Defensive, Defensive, das ist es, worum es geht.“
Der Rest war ein Schaulaufen dem Ende der Serie entgegen. Nun wartet erneut eine Woche Pause. Weiter geht es am kommenden Freitag. Dann steht im SAP Garden das erste von maximal fünf Finals an.RP