Fordert eine „klare Vision“: Hasan Ismaik. © Wagner/Imago
München – Kaum war der Zwangsabstieg besiegelt, meldete sich einer der Hauptdarsteller zu Wort: Hasan Ismaik. In einem Statement bei Facebook legte der Jordanier seine Sichtweise dar, warum er die Löwen – mal wieder – in die Viertklassigkeit geschickt hat. „Es schmerzt mich sehr“, schreibt der 1860-Investor, der zugleich betont, der Verein werde „eines Tages an den Platz zurückkehren, den er verdient“. Die Löwen seien größer als jede einzelne Saison, getragen von Tradition und einer treuen Fanbasis.
Inhaltlich bleibt Ismaik seiner Linie treu: Die aktuelle Krise sei kein einmaliger Ausrutscher, sondern das Ergebnis „wiederkehrender finanzieller Defizite“, die sich über Jahre aufgebaut hätten. Die Ausgaben würden stets die Einnahmen übersteigen – ein strukturelles Problem, das aus seiner Sicht längst bekannt sei.
Genau dort setzt auch sein zentraler Vorwurf an die Mitgesellschafter an: Gemeinsam mit KGaA und e.V. habe man in den vergangenen Monaten nach Lösungen gesucht. Ziel sei eine nachhaltige Stabilisierung gewesen – verbunden allerdings mit Reformen, die Ismaik deutlich benennt: mehr Kontrolle, mehr Transparenz, klarere Verantwortlichkeiten.
Bemerkenswert: Ismaik schildert die Nacht vor der Entscheidung als Phase, in der man „kurz vor einer Einigung“ gestanden habe. Die notwendigen Mittel seien bereitgestanden, der Konsens jedoch gescheitert. Das deckt sich auch mit unseren Informationen.
Am Ende bleibt der Versuch einer Deutung: Für Ismaik ist der Absturz nicht allein eine finanzielle Frage, sondern das Resultat struktureller Versäumnisse und fehlender Einigkeit zwischen den Parteien.
Trotz aller Enttäuschung richtet er den Blick nach vorne – und an die Basis. Die Zukunft liege nun bei Mitgliedern, Fans und Verantwortlichen. Es brauche „eine klare Vision“, schreibt er – und schließt mit dem bekannten 1860-Mantra: „Einmal Löwe, immer Löwe“. In den Ohren von e.V.-Hardlinern mag es wie eine Drohung klingen.ULI KELLNER