„Es ist eine Schande“, sagt Daniel Bierofka. © Wagner/Imago
München – Als am Mittwoch um 17.45 Uhr der Absturz des TSV 1860 bestätigt wurde, explodierte das Internet. Eine Mischung aus Trauer, Wut, Häme und Mitgefühl für die Löwenfans bestimmte das Geschehen auf den Sozialen Netzwerken.
Allen ist klar: Sechzig-Ikone Daniel Bierofka wird, anders als beim Zwangsabstieg 2017, den Scherbenhaufen nicht wieder zusammensetzen.
Der Ex-Coach wurde im Gespräch mit „BR24Sport“ emotional, als er über den erneuten Totalabsturz des TSV 1860 sprach: „Es ist eine Schande. Verantwortungslos. Charakterlos. Von allen Beteiligten. Da kann sich keiner rausnehmen. Es ist absoluter Wahnsinn. Ich hoffe, alle Beteiligten wissen, was das jetzt für den Verein heißt.“ Einer, der das ganze Dilemma 2017 ebenfalls hautnah miterlebte, war Sascha Mölders. Der heute 41-Jährige war damals Teil der Mannschaft, die sportlich aus der Zweiten Bundesliga abstieg. Nachdem es sogar bis in die Regionalliga Bayern hinunterging, überredete Coach Bierofka den Angreifer zum Bleiben. Mit Mölders kehrte 1860 anschließend in den Profifußball zurück. Auf Instagram packte die „Wampe von Giesing“ jetzt die aktuellen Löwenspieler an der Ehre: „Ich bin geschockt. Ich weiß noch, wie Biero damals vor mir stand und meinte: ,Jetzt kannst Du zeigen, dass Du Eier hast und bleiben.‘ Ich bin gespannt, wie vielen der Löwe jetzt am Herzen liegt. Aufgeben ist keine Option. Nie!“
Und auch ein damaliger Teamkollege und Kumpel von Mölders äußerte sich ausführlich zum (erneuten) Löwen-Drama: Aaron Berzel. Auf Instagram verfasste der Aufstiegsheld von 2018 eine lange Nachricht, schrieb dabei unter anderem: „Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Es tut weh, auf das zu blicken, was aus diesem Verein geworden ist. Hier hat nicht nur eine Seite versagt, hier haben alle Verantwortlichen versagt. Sowohl die Seite von Hasan Ismaik als auch die Verantwortlichen des e. V. tragen ihren Anteil an dieser Entwicklung. Wenn das Wohl dieses Vereins wirklich an erster Stelle gestanden hätte, dann hätten sich die handelnden Personen längst zusammengesetzt. Ich bin maßlos enttäuscht.“
Anders als Berzel hat Ex-Trainer Alexander Schmidt einen klaren Schuldigen für sich ausgemacht und sendete die Botschaft in die Welt: „Bitte Neuanfang ohne Hasan Ismaik, es reicht jetzt, erlöst uns von ihm.“ In dieselbe Kerbe wie Schmidt schlugen auch viele Fans am Trainingsgelände der Löwen, wenige Minuten nach dem feststehenden Absturz. „Dass Hasan Ismaik den Verein jetzt zum zweiten Mal in die Regionalliga geschickt hat, ist eine Katastrophe. Die Wut der Fans ist absolut nachvollziehbar. Ismaik muss jetzt weg – und zwar endgültig“, ließ ein Anhänger gegenüber unserer Zeitung seinem Frust freien Lauf.
Auch viele große Influencer wie dimianubis (450.000 Follower auf TikTok) sind derselben Meinung: „Dieser Lust-und-Laune-Investor hat den Verein an die Wand gefahren. Als Löwenfan wäre ich maximal frustriert. Ich finde es schade, dass wir wahrscheinlich nie wieder das Duell Bayern gegen 1860 in der Bundesliga sehen werden.“
Fußball-Deutschland spricht wieder über die Löwen – im schlechtmöglichsten Kontext.
MARCO BLANCO UCLES