Wirklich? Ja, Chwalinska steht im Finale. © Camus/dpa
Paris – Maja Chwalinska macht sich im Moment ihres größten Erfolgs Sorgen – um die Gesundheit ihres Teams. „Ich bin eigentlich kein besonders abergläubischer Mensch, aber meine Trainer sind es“, sagte die Sensations-Finalistin der French Open: „Die essen jeden Tag Pizza, wirklich jeden Tag, und wir sind jetzt schon drei Wochen hier.“
Chwalinska, die nur 1,64 m große Riesenüberraschung, ist auf dem Weg, in Paris ihr Märchen historisch zu vollenden. Als erst zweite Qualifikantin überhaupt nach Emma Raducanu 2021 in New York schickt sie sich an, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Es ist völlig klar, dass ihr Team am kalorienreichen Ritual vor dem Endspiel am Samstag (15.30 Uhr/Eurosport) gegen die favorisierte Russin Mirra Andrejewa nun nichts mehr ändern konnte.
„Die werden so viel zunehmen, das wird furchtbar“, sagte Chwalinska schmunzelnd, für die das Großevent am Eiffelturm ein einziger freudiger Fiebertraum geworden ist. Als 114. startete sie in die Quali – und nimmt mit mindestens 1,4 Millionen Euro nun schon sicher viel mehr Preisgeld mit, als sie zuvor in ihrer Karriere erspielt hat. Gewinnt sie, verdoppelt sich die Summe.
Chwalinska besticht auf der roten Asche von Paris mit einem völlig anderen Spiel als die Topstars der Szene. Mit der Kraft einer Aryna Sabalenka oder ihrer Landsfrau Iga Swiatek könnte sie niemals mithalten, also braucht sie eine ungewohnte Variabilität, um ihre Gegnerinnen herauszufordern. Die 24-Jährige spielt Mondbälle, Stopps, Slice mit unangenehmem Unterschnitt und kochte mit einem 7:6 (7:4), 6:4 im Halbfinale auch Andrejewas Landsfrau Diana Schnaider sensationell ab.
„Das klingt wie ein Traum!“, titelte die polnische Gazeta Wyborcza. Auch Chwalinska kann ihre Hauptrolle in dieser begeisternden Tennis-Story kaum glauben. „Ich habe das Gefühl, als wäre ich in einer Blase. Ich weiß nicht, was gerade los ist. Ich bin einfach nur sehr glücklich, hier zu sein“, sagte die bisher weitgehend unbekannte Spielerin, die mit ihren drei Siegen erstmals überhaupt ins Hauptfeld beim Sandplatz-Höhepunkt gerückt war.SID