Dieser Mann will Patron Pérez stürzen

von Redaktion

Erste Präsidentschaftswahl bei Real Madrid seit 20 Jahren: Riquelme als Herausforderer

Will Präsident werden: Enrique Riquelme. © Marcou/AFP

Amtierender Herrscher: Florentino Perez. © Martin/EPA

Madrid – Es ist wieder so weit im weißen Königreich von Madrid: Nach zwei Jahrzehnten wird wieder gewählt. Am 7. Juni dürfen die Mitglieder von Real Madrid tatsächlich an die Urne – ein fußballpolitisches Großereignis mit mehr Drama als so mancher Clásico gegen den Erzrivalen aus Barcelona. Florentino Pérez, der ewige Präsident, tritt gegen einen Mann an, den noch vor ein paar Tagen kaum jemand kannte: Enrique Riquelme. Klingt nach David gegen Goliath. Ist es auch – nur dass Goliath hier im Designeranzug aufläuft und seit 20 Jahren keinen Gegenkandidaten mehr hatte.

Warum es überhaupt wieder eine Wahl gibt? Weil Patron Pérez im Rahmen einer Wut-PK ganz im Stile des Grundgesetz-Gipfels der Bayern-Bosse außerordentliche Wahlen angekündigt und sich endlich jemand gefunden hat, der ihm die Stirn bietet. Bei Real wird nämlich nur dann gewählt, wenn es Gegenkandidaten gibt, die sämtliche (knallharten) Bedingungen erfüllen. In den vergangenen Jahren war das nie der Fall, der 79-jährige Pérez wurde quasi konkurrenzlos im Amt bestätigt.

Jetzt aber hat Riquelme die formalen Hürden genommen – inklusive einer Bankbürgschaft von rund 15 Prozent des Clubumsatzes, aktuell etwa 190 bis 200 Millionen Euro. So wollen es nämlich die Statuten des Weltvereins und so soll verhindert werden, dass ein Nobody ohne finanziellen Rückhalt den Club übernehmen und in den wirtschaftlichen Ruin treiben kann. Riquelme hat das Geld in letzter Minute noch zusammengekratzt – und siehe da: Plötzlich ist im Estadio Santiago Bernabéu wieder Demokratie angesagt.

Doch wer ist der Mann, der den Multimilliardär nach 26 Jahren Regentschaft (auf zwei Amtszeiten verteilt) stürzen will? Riquelme ist kein klassischer Fußballfunktionär, sondern Unternehmer aus der Energiebranche. Er ist CEO von Cox Energy, einem auf Solar spezialisierten Unternehmen mit Projekten im Bereich erneuerbarer Energien und Wasserwirtschaft. Der 37-Jährige stammt aus Alicante, ist seit Jugendzeiten Real-Mitglied und sowohl im Sport als auch in der Wirtschaft bestens vernetzt. Riquelme ist trotz seines jungen Alters im Business angekommen, beim größten Club der Welt bleibt er aber ein Herausforderer ohne echten Machtapparat.

Pérez, gleichzeitig Boss des Bauunternehmens ACS, ist nämlich der große Architekt der modernen Erfolgsgeschichte des weißen Balletts: sechs Champions-League-Titel, der Stadionumbau, Real als globale Marke – hinter all diesen Meilensteinen prangt Pérez’ Name. Doch nach zwei Jahren ohne große Erfolge wächst die allgemeine Unruhe. Und genau hier setzt Riquelme an: mehr Nähe zu Mitgliedern, mehr Einfluss für die Basis, weniger Distanz zwischen Führung und Fans.

Der Wahlkampf ist kurz, aber laut. Pérez hat seinen Gegner bereits scharf attackiert und wittert obskure Verschwörungen hinter seiner Kandidatur. Sein Ass im Ärmel: Wird er im Amt bestätigt, so steht einer Rückkehr José Mourinhos auf den Trainerstuhl nichts mehr im Wege. Riquelme gibt sich derweil als moderner Gegenentwurf zum etablierten Machtzentrum und soll spanischen Medienberichten zufolge sogar zwei Asse parat halten: den Trainer Jürgen Klopp und den Torjäger Erling Haaland.

Realistisch bleibt Pérez klarer Favorit. Doch allein die Tatsache, dass es überhaupt wieder eine Wahl gibt, verändert die Atmosphäre im weißen Königreich enorm.JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ

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