Hier ging es Karl noch gut, danach passierte das Unglück. Bundestrainer Nagelsmann reagierte geschockt. © Gambarini / dpa
Schwerer Rückschlag für die DFB-Ambitionen: Karl verletzte sich im Abschlusstraining vor dem Test gegen die USA. Das Talent könnte nun die anstehende WM verpassen. © Coleman / Imago
Chicago – Die Pressekonferenz war fast vorbei, da machte Julian Nagelsmann die Schock-Nachricht offiziell: „Leider hat sich Lenny (Karl, d. Red.) heute verletzt im Training. Wir fahren jetzt ins Krankenhaus, machen uns ein Bild“, erklärte der Bundestrainer. „Bitte fahrt ihm nicht hinterher, gebt ihm Ruhe. Wir brauchen eine Diagnose und dann informieren wir euch und dann schauen wir auch, ob wir jemanden nachnominieren oder nicht.“
Heißt: Das Münchner Talent droht die WM zu verpassen – für die Nationalmannschaft wäre es der absolute Super-Gau, schließlich hatte Karl zuletzt im Testspiel gegen Finnland überzeugt und war als Startelfkandidat vorgesehen. Sollte er nun für das Turnier ausfallen, hätte Nagelsmann eine fest eingeplante Option in der Offensive weniger.
Und natürlich ist die Nachricht auch für Karl persönlich extrem bitter, schließlich hatte ihn der Bundestrainer nach seinen starken Leistungen zuletzt noch in höchsten Tönen gelobt: „Bei Lenny ist natürlich viel passiert in den letzten sieben Monaten. Er hat das heute gut gemacht, hat viel probiert“, erklärte Nagelsmann noch nach dem 4:0 gegen Finnland. „Man muss trotzdem die Dinge verarbeiten, die auf ihn einprasseln. Das ist sicherlich eine der größten Herausforderungen in seinem jungen Alter. Fußballerisch bringt er alles mit, um für Furore zu sorgen!“
Angesichts dieser Hiobsbotschaft rückt das Testspiel gegen die USA nun fast in den Hintergrund. Schließlich wollte Nagelsmann das Freundschaftsspiel nutzen, um seine erste Elf einzuspielen – mit Neuer (siehe Text unten) und Karl fehlen ihm dabei nun gleich zwei wichtige Spieler.
Trotzdem bleibt die Partie mit Blick auf die WM extrem wichtig: Ein Dämpfer würde die Stimmung vor der WM kippen lassen – und die Amerikaner gehen plötzlich selbstbewusst in das Duell mit dem DFB-Team. „Warum nicht wir? Warum nicht wir? Warum nicht wir? Wir müssen wirklich daran glauben, dass wir da sein können. Wir müssen träumen“, sagte US-Nationaltrainer Mauricio Pochettino über eine US-Finalteilnahme und den Titelgewinn bei der Fußball-WM.
Aus deutscher Sicht werden durch den Karl-Ausfall andere Profis immer wichtiger. Florian Wirtz will beispielsweise in der Offensive vorangehen und ist sich seiner Rolle als Führungsspieler bewusst: „Ich habe jetzt ein bisschen mehr Erfahrung gesammelt. Das Team ist zudem jünger geworden, ein paar ältere Spieler sind nicht mehr da“, beschrieb der Liverpool-Profi seine veränderte Rolle im Vergleich zur Heim-EM 2024. „Dann braucht es neue Spieler, die vorangehen wollen – und Verantwortung übernehmen wollen.“
Nach einer durchwachsenen Saison mit Liverpool (neun Scorerpunkte in 33 Premier-League-Spielen) will der ehemalige Leverkusener nun beim DFB glänzen: „Ich fühle mich sehr, sehr gut, sehr fit. Ich weiß nicht, ob ich in Topform bin. Ich bin bereit, meine Rolle anzunehmen und voranzugehen – und ich habe richtig Lust auf das Turnier.“ Nach dem Karl-Schock ist das wichtiger denn je.VINZENT TSCHIRPKE