Am 5. Juli 2025 wurden auf den Straßen Giesings Silvesterraketen gezündet. 1860-Fans feierten das Ende der Ära Ismaik, einen Akt der Befreiung. Der Verein hatte den Verkauf seiner Anteile vermeldet – voreilig. Bekanntlich platzte der Deal. Ismaik blieb, die zerrüttete Ehe wurde fortgesetzt. Bis Fronleichnam 2026. Da hieß es erneut: Ismaik ist raus. Und dass es diesmal ruhig blieb in Giesing, versteht jeder, der an das ewige Pech der Löwen glaubt – oder sich in geschundene Fanseelen hineinversetzt.
Keine Party auf den Straßen, keine Böller, keine Gesänge. Zu tief sitzt der Schock des Abstiegs, zu unklar sind die Folgen des nächsten Knalls. Kann es wirklich so einfach sein, den Investor loszuwerden? Der entscheidende Unterschied zu 2025: Damals wäre Ismaik freiwillig gegangen. Diesmal soll er hinausgedrängt werden. In seiner Welt kommt das einem Gesichtsverlust gleich. Entsprechend schnell folgte die Meldung: Ismaik will klagen. Der vermeintliche Befreiungsschlag dürfte ein langes juristisches Nachspiel haben.
Klang ja auch alles fast zu schön, um wahr zu sein. Die Lesart des Vereins: Ismaik hat eine Darlehenszusage gebrochen und 1860 erneut in die Regionalliga geschickt. Also sieht sich auch der e.V. nicht mehr an den Kooperationsvertrag gebunden. Tit for Tat. Das erträumte Szenario: Spielrecht an den e.V., die KGaA wertlos. Hauptsponsor „Die Bayerische“ kehrt zurück, ebenso Profis wie Dähne, Niederlechner, Verlaat. Selbst von einem Trainer Sven Bender träumen manche. Doch wäre die Sache so einfach, hätte diese Zwangsehe kaum 15 Jahre überdauert. Ein Rosenkrieg droht – mit unabsehbaren Folgen.
Und trotzdem: Respekt vor Präsident Gernot Mang, der nicht länger zuschauen will, wie sein Verein in einer Dauerschleife aus Streit, Schulden und sportlichem Siechtum verharrt. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Die Löwen nehmen ihr Schicksal in die Hand, fahren endlich die Krallen aus. Wenn sie dabei klug vorgehen, könnte aus dem Absturz tatsächlich ein Aufbruch werden – auch für lokale Unternehmer könnte das spannend sein. 1860 wäre nicht der erste Verein, der sich nach einem großen Knall neu erfindet. Nach Jahren des Stillstands ist selbst ein riskanter Neustart attraktiver als ein weiteres „Weiter so“.