Expertenblick: Andre Agassi auf der Tribüne. © IMAGO
Über weite Strecken souverän: Zverev bei seinem Sieg über den Tschechen Mensik. © IMAGO / Loic Baratoux
Jetzt nur nicht nervös werden: Für Zverev ist sein erster Grand-Slam-Titel greifbar. © IMAGO
Paris – Alexander Zverev ballte nach drei Stunden harter Arbeit nur kurz die Faust, die großen Emotionen brachen auch nach dem nächsten Schritt in Richtung des großen Traums nicht aus ihm heraus: Der Hamburger ist zum zweiten Mal ins Endspiel der French Open gestürmt und greift erneut nach seinem ersten Grand-Slam-Titel. Zverev setzte sich im Halbfinale 7:5, 6:2, 3:6, 6:3 gegen den erst 20 Jahre alten Tschechen Jakub Mensik durch. Im 41. Anlauf bei einem der vier großen Turniere soll nun die ewig lange Jagd nach dem Major-Triumph endlich ihr Ende finden.
„Ich wusste, dass es eine schwierige Herausforderung werden würde“, sagte Zverev fast schon nüchtern, für Partystimmung ist es schließlich noch zu früh: „Ich habe gewonnen, ich bin glücklich.“
Auf Zverev wartet im Kampf um die Coupe des Mousquetaires trotz des frühen Ausscheidens des Weltranglistenersten Jannik Sinner ein Italiener: Flavio Cobolli, der kampflos das Endspiel erreichte. Landsmann Matteo Arnaldi verzichtete wegen einer Virusinfektion kurzfristig auf das für Freitagabend angesetzte zweite Halbfinale. Zverev wird am Sonntag als Favorit den Court Philippe-Chatrier betreten, die Erlösung ist greifbar. Er hoffe, dass er auch dann „ein großartiges Match spielen könne“, sagte Zverev.
In seinem fünften Halbfinale von Roland Garros zeigte der Weltranglistendritte über weite Strecken einen guten Auftritt, ließ sich nach einer medizinischen Auszeit seines Gegners im dritten Satz aber etwas aus der Ruhe bringen. „Ich fand, dass ich auch im dritten Satz ein gutes Spiel gemacht habe“, sagte Zverev bei Eurosport. Doch wie im bisherigen Verlauf des Turniers blieb Zverev konzentriert und brachte das Match erfolgreich zu Ende.
Mit Zverev erreichte erstmals seit Beginn des Profitennis 1968 ein deutscher Spieler mehrmals das Finale von Paris. Im Endspiel kann er sich nun zudem zum ersten deutschen French-Open-Sieger seit Henner Henkel 1937 und zum ersten deutschen Grand-Slam-Champion im Männer-Einzel seit Boris Becker bei den Australian Open 1996 krönen.
Schon vor zwei Jahren hatte Zverev am Bois de Boulogne vor seinem ersten Titel gestanden, im Finale verlor er aber in fünf Sätzen gegen Carlos Alcaraz – nach 2:1-Satzführung. Seine erste Niederlage in einem Grand-Slam-Endspiel kassierte der 29-Jährige 2020 bei den US Open gegen Dominic Thiem aus Österreich, zudem unterlag er auch 2025 in Melbourne gegen Sinner. In Paris will Zverev die Pleitenserie endlich stoppen.
Die Gedanken an den ersten Titel „kommen automatisch, auch bei Zverev“, hatte Becker im Vorfeld in seinem Podcast mit Andrea Petkovic gesagt: „Die Frage ist: Wie geht er damit um?“ Doch gegen die „coole tschechische Socke“ Mensik, der für den Weg zum Halbfinale vier Stunden länger als Zverev benötigt hatte, sah der sechsmalige Grand-Slam-Sieger den Hamburger vorne.
Vor den Augen der Tennis-Prominenz um Andre Agassi stellte Mensik früh sein variantenreiches Spiel unter Beweis, setzte immer wieder erfolgreich auf Stopps. Zverev behielt aber die Ruhe – und schlug bei seinem ersten eigenen Breakball direkt zum 6:5 zu. Nach etwas mehr als einer Stunde sicherte er sich mit einem Ass Durchgang eins.
In Satz zwei machte Zverev kurzen Prozess. Dann nahm Mensik eine Auszeit, es kam noch mal Spannung auf. Im vierten Satz fand Zverev aber zurück zu seiner Sicherheit.SID