Zverev feiert mit Familie und Team. © Camus/dpa
Musste sich geschlagen geben: Flavio Cobolli. © Dilkoff/AFP
Endlich: Der erste Grand-Slam-Erfolg für Alexander Zverev. © Valat/EPA
Paris – Alexander Zverev sackte nach seinem historischen Coup auf den roten Sand des Court Philippe-Chatrier und ließ seinen Tränen freien Lauf: Der 29-Jährige hat es tatsächlich vollbracht – er ist in Paris nach einem nervenaufreibenden Fünfsatzkrimi im Finale zum ersten deutschen Grand-Slam-Titel seit Boris Becker vor 30 Jahren gestürmt. Am Ziel seiner Träume übermannten den neuen French-Open-Sieger seine Gefühle. Zverev konnte sein Glück nach der Erlösung kaum fassen und stemmte den Coupe des Mousquetaires um 20:03 Uhr in den Pariser Abendhimmel, bevor die deutsche Nationalhymne erklang.
„Dieser Platz ist so besonders für mich“, sagte Zverev: „Ich erlebe den besten Moment meines Lebens hier und hatte hier meinen schwersten Moment. Ich habe in der Ecke gelegen und mir vor vier Jahren alle Bänder gerissen, vor zwei Jahren ein Finale verloren. Jetzt ist es ein Happy End.“
Zverev setzte sich in einem packenden Duell über 4:16 Stunden gegen den Italiener Flavio Cobolli 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 durch und tilgte den Makel als Unvollendeter. Im 41. Anlauf jubelte der Hamburger, dem bis dahin mit 24 Titeln das Etikett des besten Profis der Geschichte ohne Majorerfolg anhaftete, erstmals über einen Triumph bei einem der vier großen Turniere.
„Ein Lebenstraum geht in Erfüllung“, sagte Becker am Eurosport-Mikrofon: „Er hat das mehr als verdient. Nach all den Jahren, der Arbeit, der Verzweiflung, der Enttäuschung. Unglaublich, ich bin sehr stolz auf ihn.“ Zverev war unmittelbar nach dem Triumph in die Box gestürmt und ließ sich überschwänglich feiern. „Wenn einer den Titel verdient, dann du“, sagte Cobolli. Zverevs Befreiungsschlag am Eiffelturm hat nicht nur für ihn persönlich enorme Dimensionen. Er ist der erste deutsche French-Open-Sieger nach Henner Henkel 1937 und der erste deutsche Grand-Slam-Champion im Männer-Einzel seit Beckers Erfolg 1996 bei den Australian Open. Der Tokio-Olympiasieger reihte sich bei Becker (6 Grand Slams) und Michael Stich (1) als erst dritter Deutscher ein, der seit Beginn des Profitennis 1968 bei einem Major bei den Männern jubelt. Bei den Frauen hatte zuletzt 2018 Angelique Kerber in Wimbledon gewonnen.
Zverev, der gegen Cobolli bis ans Ende seiner Kräfte ging und an dessen Shirt sich große Schweißflecken abzeichneten, nahm immer wieder neuen Anlauf. Seine ersten drei Endspiele auf höchster Ebene verlor er. In Paris unterlag er 2024 dem Spanier Carlos Alcaraz und konnte die Wunde von den US Open 2020, als ihm nur zwei Punkte fehlten, nicht schließen. Zuletzt hatte der brachiale Aufschläger bei den Australian Open 2025 Jannik Sinner den Vortritt lassen müssen.
In Paris fügte sich aber alles für Zverev, der schon mit klaren Titelambitionen an den Start gegangen war. Als in der zweiten Runde Turnier-Topfavorit Sinner und danach auch noch Novak Djokovic ausschieden, stieg die deutsche Nummer eins in Abwesenheit des verletzten Alcaraz zum größten Anwärter auf den Triumph auf – und ging mit dem steigenden Druck gut um.
Im dritten Satz war es nun auch ein Kampf gegen die eigenen Nerven, in dem der Favorit die Oberhand behielt. „Let‘s go!“, brüllte Zverev, der dann im vierten Satz körperlich arg kämpfen musste und kurz behandelt wurde. Aber er richtete sich nochmal auf, nahm sein Herz in beide Hände und gewann den so ersehnten Grand-Slam-Titel.SID